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Eine Autoimmunerkrankung, die die Schilddrüse antreibt — oft auch die Augen betreffend, und behandelbar.
Auch bekannt als: Autoimmune Schilddrüsen-Überfunktion
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Morbus Basedow ist das Gegenstück zu Hashimoto: Auch hier bildet das Immunsystem Antikörper gegen die Schilddrüse, aber diese blockieren nicht, sie drücken auf den Gashebel. Die TRAK-Antikörper setzen sich an dieselbe Andockstelle wie das TSH und treiben die Drüse dauerhaft an — unabhängig davon, was die Hirnanhangdrüse eigentlich anordnet. Im Blut sieht man deshalb ein sehr tiefes TSH neben hohen freien Hormonen: Die Steuerung hat abgeschaltet, die Drüse läuft trotzdem weiter. Typisch ist der Beginn: Es fängt nicht mit Müdigkeit an, sondern mit Getriebenheit. Herzklopfen, Zittern, Schlaflosigkeit, feuchtwarme Haut, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, oft eine ungewohnte Reizbarkeit, die von aussen als Stress oder als Angststörung gelesen wird. Eine Besonderheit betrifft die Augen: Bei einem Teil der Betroffenen greift derselbe Prozess das Gewebe hinter dem Augapfel an, es schwillt, die Augen treten hervor, tränen, drücken oder das Sehen wird doppelt. Diese Augenbeteiligung folgt einem eigenen Verlauf und bessert sich nicht automatisch mit den Blutwerten. Rauchen ist hier der wichtigste beeinflussbare Faktor — es macht die Augensymptome deutlich wahrscheinlicher und schwerer. Für die Drüse selbst gibt es mehrere Wege, und keiner davon ist ein Notfall-Entscheid. Kommen zum Herzrasen hohes Fieber, ausgeprägte Verwirrtheit oder anhaltendes Erbrechen dazu, ist das nicht mehr die gewöhnliche Überfunktion, sondern eine Lage, die sofort behandelt wird.
Über- oder Unterfunktion gehören diagnostiziert und behandelt (z. B. Hormonersatz) — der wichtigste Schritt.
Jod ist der Baustein der Schilddrüsenhormone; sowohl Mangel als auch Übermass können schaden. Jodiertes Salz und Meeresfisch decken den Bedarf.
Ein tiefes TSH allein kann auch andere Gründe haben. Erst die freien Hormone daneben zeigen, ob wirklich zu viel im Umlauf ist — und bei einem Teil ist nur das fT3 erhöht.
Eine Überfunktion kann auch von einem autonomen Knoten oder von einer vorübergehenden Entzündung kommen. Die Unterscheidung entscheidet über den weiteren Weg, denn diese Formen werden völlig verschieden behandelt.
Rauchen ist der bestbelegte beeinflussbare Faktor für eine Augenbeteiligung: Sie tritt häufiger auf, verläuft schwerer und spricht schlechter auf die Behandlung an.
Die Mittel, die die Hormonbildung bremsen, können in seltenen Fällen die weissen Blutkörperchen einbrechen lassen. Deshalb gilt: Fieber und Halsschmerzen unter dieser Behandlung sind kein banaler Infekt, sondern ein Grund, sofort das Blutbild machen zu lassen.
Jodhaltige Röntgenkontrastmittel und hochdosierte Jodpräparate können eine Überfunktion anfachen. Wer eine Schilddrüsenerkrankung hat, sollte das vor einer Untersuchung sagen.
Nach einer erfolgreichen Behandlung kippt die Funktion bei vielen mit der Zeit in die andere Richtung. Die Kontrolle bleibt deshalb bestehen, auch wenn es einem gut geht.
Thyreostatika bremsen die Hormonbildung — sie wirken mit zwei bis sechs Wochen Verzögerung, weil der gefüllte Speicher erst leer werden muss. Nach zwölf bis achtzehn Monaten bleibt etwa die Hälfte nach dem Absetzen in Ruhe. Radiojod und Operation entfernen das Gewebe; danach ist die Unterfunktion der geplante Zustand, nicht ein Fehler.
Etwa ein bis zwei von hundert Menschen erkranken im Leben daran, Frauen deutlich häufiger. Unter Thyreostatika dauert es zwei bis sechs Wochen bis zur Besserung; die Behandlung läuft zwölf bis achtzehn Monate. Danach bleibt etwa die Hälfte in Ruhe, die andere Hälfte kommt zurück, meist im ersten Jahr. Die Augenbeteiligung folgt einem eigenen Verlauf: ein bis drei Jahre aktive Phase, danach ein ruhiger Zustand — Operationen an den Augen werden erst danach geplant.
Oft das erste, was auffällt — nachts im Bett, nicht bei Anstrengung. Ein unregelmässiger Puls gehört zeitnah abgeklärt, weil eine Überfunktion Vorhofflimmern anstossen kann.
Ein feines, schnelles Zittern, das bei ausgestreckten Händen sichtbar wird. Dazu das Gefühl, nicht abschalten zu können, obwohl nichts los ist.
Der Umsatz läuft schneller als die Zufuhr. Bei älteren Menschen fehlt dieses Zeichen manchmal ganz — dort zeigt sich die Überfunktion eher als Herzrhythmusproblem oder Kraftlosigkeit.
Im T-Shirt, wenn andere frieren. Die Haut fühlt sich dabei warm und feucht an, nicht kalt und klamm.
Fremdkörpergefühl, Tränen, Lichtempfindlichkeit, ein starrer Blick, seltener Doppelbilder. Neu auftretende Doppelbilder oder ein nachlassendes Sehen gehören rasch untersucht.
Nicht Durchfall im eigentlichen Sinn, sondern ein beschleunigter Darm. Fällt oft erst im Rückblick auf.
Treppensteigen und Aufstehen aus dem Sessel werden schwer, obwohl die Muskeln nicht schmerzen. Der Körper baut unter Dauerantrieb Eiweiss ab.
Grosse Jodmengen können einen Schub auslösen. Algenpräparate und jodhaltige Kontrastmittel sind die relevanten Quellen, nicht das Jodsalz im Brot.
Bis die Behandlung greift, verbrennt der Körper mehr. Wer in dieser Zeit knapp isst, verliert Muskel — 1.2 g Eiweiss je kg am Tag und regelmässige Mahlzeiten halten dagegen.
Bei der Augenbeteiligung ist die Datenlage am besten: 200 µg am Tag über 6 Monate besserten in einer europäischen Studie den Verlauf bei milder Augenbeteiligung. Auf die Überfunktion selbst wirkt es nicht.
Starke Belastung geht Schüben oft voraus. Entspannungsverfahren ändern die Autoimmunlage nicht, aber sie sind bei Herzklopfen und innerer Unruhe eine Hilfe neben der Behandlung.
AWMF 031-003 · S1 · 2023-04 — gültig
Radioiodtherapie bei benignen Schilddrüsenerkrankungen
Für Morbus Basedow bei Erwachsenen gibt es keine eigene Leitlinie im Register; 031-003 nennt die thyreotoxische Krise als eigene Dringlichkeit.
geprüft 2026-09