Beschwerden & Zusammenhänge · borters.ch
Nicht Launenhaftigkeit, sondern Phasen mit eigener Logik — mit Behandlung sind lange stabile Zeiten möglich.
Auch bekannt als: manisch-depressive Erkrankung
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Ein Wechsel zwischen depressiven Phasen und Phasen deutlich gehobener oder gereizter Stimmung mit vermindertem Schlafbedürfnis, Rededrang, Überschätzung und riskanten Entscheidungen (Manie oder die mildere Hypomanie). Die Phasen dauern Wochen bis Monate, dazwischen liegen oft lange ausgeglichene Zeiten. Ein häufiges Problem: Die depressiven Phasen führen zum Arzt, die gehobenen fühlen sich zunächst gut an und werden nicht berichtet — deshalb wird jahrelang eine reine Depression behandelt, was den Verlauf ungünstig beeinflussen kann. Wer bei sich Phasen ungewöhnlich hoher Energie mit wenig Schlafbedarf bemerkt, sollte das ansprechen. Mit stimmungsstabilisierender Behandlung und einem verlässlichen Tagesrhythmus lässt sich die Erkrankung gut führen.
Gleiche Zeiten — auch am Wochenende — stabilisieren die innere Uhr und die Schlafqualität am stärksten.
Helles Tageslicht am Morgen und gedämpftes Licht/Bildschirm-Pause am Abend fördern den natürlichen Melatonin-Anstieg.
Koffein wirkt viele Stunden nach — nachmittags/abends stört es die Tiefe des Schlafs.
Lithium ist bis heute das Mittel mit der stärksten Wirkung auf die Rückfälle und das einzige, für das eine Senkung der Suizidrate gezeigt ist. Es braucht regelmässige Blutkontrollen, weil der Bereich zwischen Wirkung und Zuviel schmal ist. Es glättet die Ausschläge, es nimmt nicht die Person.
Betroffen sind etwa ein bis drei von hundert Menschen. Von den ersten Zeichen bis zur richtigen Einordnung vergehen im Mittel sechs bis zehn Jahre, weil die depressiven Phasen zuerst auffallen und die gehobenen oft nicht als Krankheit erlebt werden. Eine manische Phase dauert unbehandelt Wochen bis Monate, eine depressive länger. Lithium braucht regelmässige Blutkontrollen, weil der wirksame und der schädliche Bereich nahe beieinanderliegen — anfangs wöchentlich, später alle drei bis sechs Monate.
Drei, vier Stunden reichen — und man fühlt sich ausgeruht. Dieses verringerte Schlafbedürfnis ohne Müdigkeit ist eines der verlässlichsten Zeichen einer gehobenen Phase.
Schneller, kaum unterbrechbarer Redefluss, Gedanken, die überspringen, viele Vorhaben gleichzeitig begonnen — und eine ungewohnte Zuversicht, dass alles gelingt.
Grosse Ausgaben, riskante Geschäfte, plötzliche Kündigungen, ungewohnte sexuelle Kontakte, Alkohol oder schnelles Fahren. Diese Folgen fallen dem Umfeld oft früher auf als der Person selbst.
Die gedrückten Phasen dauern meist deutlich länger als die gehobenen und führen viel häufiger in die Sprechstunde. Deshalb wird das Bild jahrelang als reine Depression geführt.
Gab es je eine Zeit von mehreren Tagen, in der Du deutlich weniger Schlaf brauchtest, viel mehr unternommen hast und andere sich Sorgen machten oder es bemerkten? Diese eine Frage führt weiter als jede Beschreibung der Traurigkeit.
Zweifach wichtig: Eine Schilddrüsenstörung kann Stimmungsschwankungen nachahmen, und eine Behandlung mit Lithium verändert die Schilddrüse — deshalb wird sie regelmässig kontrolliert.
Unter Lithium gehört die Nierenleistung in feste Abstände. Auch die Menge, die man trinkt, und entwässernde Tabletten spielen dabei mit.
Lithium kann das Kalzium über die Nebenschilddrüse anheben. Ein erhöhter Wert erklärt Müdigkeit und Verstopfung, die sonst der Erkrankung zugeschrieben werden.
Einige stimmungsstabilisierende Mittel beeinflussen die Blutbildung. Der Wert gehört zur Verlaufskontrolle, nicht zur Diagnose.
Ein Mangel macht Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, gedrückte Stimmung und Vergesslichkeit — und er ist eine der wenigen Ursachen, die sich mit einer einzigen Blutentnahme finden und beheben lassen.
Niedrige Werte sind bei gedrückter Stimmung häufig. Ob der Ausgleich die Stimmung hebt, ist nicht geklärt; dass er im Winter in unseren Breiten sinnvoll ist, dagegen schon.
Ein leerer Speicher macht Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsprobleme, lange bevor eine Blutarmut sichtbar wird. Bei Frauen im gebärfähigen Alter der häufigste einzelne Grund.
Ein Baustein der Zellhüllen im Gehirn. Die Untersuchungen zur Stimmung sind uneinheitlich; als Teil einer guten Ernährung gehört es ohnehin dazu.
Wird für die Bildung der Botenstoffe im Gehirn gebraucht. Bei Alkohol und unter bestimmten Medikamenten wird sie knapp — und sie wird immer zusammen mit B12 beurteilt.
Der wichtigste Hinweis auf dieser Seite und einer, der oft fehlt: Wie jedes stimmungshebende Mittel kann Johanniskraut bei entsprechender Veranlagung in eine manische Phase kippen — und es beschleunigt zugleich den Abbau vieler Medikamente in der Leber, was einen eingestellten Schutz unbemerkt schwächt. Beides zusammen macht es hier zum ungünstigsten pflanzlichen Mittel.
Am besten untersucht ist der Effekt auf die gedrückte Seite, wo EPA-betonte Präparate über etwa 1–2 g täglich in Zusammenfassungen einen kleinen Vorteil zeigen. Auf die manische Seite ist kein Effekt gefunden worden. Es ist eine Ergänzung neben der Behandlung, nicht anstelle davon.
Wenn Lithium eingenommen wird, ist der Salz- und Wasserhaushalt der entscheidende Punkt: Wenig trinken, viel schwitzen, Durchfall oder eine plötzlich salzarme Ernährung heben den Lithiumspiegel an — bis in den giftigen Bereich. Entwässernde Mittel und einige Schmerzmittel tun dasselbe. Das ist die Wechselwirkung, die am häufigsten übersehen wird.
Bei Mangel — vegan, Ältere, bestimmte Medikamente — klar sinnvoll und gut belegt. Ohne Mangel kein Energieschub.
Bei Mangel klar sinnvoll und gut untersucht; für breitere Anwendungen gibt es weniger Daten. Fettlöslich — bei Hochdosis den Blutspiegel prüfen.
Bei nachgewiesenem Mangel klar wirksam, ohne Mangel bringt es nichts. Nur bei belegtem Mangel einnehmen — Überschuss ist schädlich.
In der Schwangerschaft zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten klar belegt, sonst vor allem bei Mangel. Kann einen B12-Mangel verdecken — beides beachten.
Lithium beeinflusst die Schilddrüse und die Niere. Unter dieser Behandlung gehören TSH und die Nierenwerte regelmässig gemessen — das ist keine Vorsicht, sondern Teil der Behandlung.
Der Schlaf ist hier mehr als ein Symptom: Weniger Schlaf kann eine manische Phase auslösen, und eine beginnende Manie kostet zuerst Schlaf. Deshalb ist der Schlafrhythmus einer der wichtigsten Punkte im Alltag.
Cortison in höherer Dosis kann eine Manie auslösen — bei einem Teil der Behandelten innert Tagen. Wer eine bipolare Störung hat, gehört darüber informiert, bevor ein Cortisonstoss beginnt.
Die Niere behandelt Lithium wie Natrium. Weniger Salz, starkes Schwitzen oder Durchfall heben den Lithiumspiegel — darum wird die Salzmenge gleich gehalten und bei Hitze mehr getrunken.
Studien zeigen eine kleine Wirkung auf depressive Phasen, nicht auf manische. 1–2 g EPA am Tag ist der untersuchte Bereich; es kommt zur Behandlung dazu, nicht an ihre Stelle.
Schlaf ist bei bipolaren Verläufen mehr als Erholung: Schlafmangel kann eine manische Phase auslösen. Feste Zeiten sind darum Teil der Behandlung, nicht ein Ratschlag am Rand.
Wirkt in Studien auf depressive Phasen, nicht auf manische. 1–2 g EPA am Tag ist der untersuchte Bereich — als Ergänzung zur Behandlung.