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Incontinentia urinae
Beim Husten oder beim Drang — diese eine Frage trennt zwei Formen, die gegensätzlich behandelt werden. Und weniger zu trinken macht es schlimmer, nicht besser.
Auch bekannt als: Blasenschwäche · unfreiwilliger Urinverlust
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Unfreiwilliger Urinverlust ist häufig, gut behandelbar und trotzdem das Thema, über das am wenigsten gesprochen wird. Im Schnitt vergehen Jahre, bis jemand es anspricht — meist mit dem Gedanken, das gehöre zum Älterwerden. Es gehört nicht dazu. Entscheidend ist die Unterscheidung von zwei Formen, weil sie gegensätzlich behandelt werden. Bei der Belastungsform geht Urin beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben verloren, in kleinen Mengen und ohne vorherigen Drang; hier ist der Verschluss zu schwach. Bei der Drangform kommt ein plötzlicher, kaum aufschiebbarer Harndrang, dem oft grössere Mengen folgen; hier meldet sich die Blasenmuskulatur zu früh. Beides zusammen ist häufig. Bevor irgendetwas anderes geschieht, lohnt sich der Blick auf die Umstände: ein Harnwegsinfekt, Verstopfung, ein zu hoher Blutzucker, entwässernde Tabletten, Beruhigungsmittel und nach den Wechseljahren die trockene Schleimhaut sind alle behebbar und erklären einen erstaunlich grossen Teil. Der wirksamste Hebel überhaupt ist ein richtig angeleitetes Beckenbodentraining über mindestens drei Monate. Weniger zu trinken hilft nicht — es macht es schlimmer.
Der wirksamste Hebel überhaupt — und der, an dem die meisten scheitern, weil die Übung falsch ausgeführt oder zu früh aufgegeben wird. Eine Anleitung durch eine Fachperson verdoppelt die Erfolgsaussicht.
Uhrzeit, Menge, Dranggefühl, was getrunken wurde, und wann etwas verloren ging. Erst dieses Blatt zeigt, welche der beiden Formen überwiegt — und das entscheidet die Behandlung.
Konzentrierter Urin reizt die Blase zusätzlich und verstärkt gerade den Drang. Zu reduzieren sind Koffein, Alkohol und die Menge am späten Abend — nicht die Tagesmenge.
Harnwegsinfekt, Verstopfung, hoher Blutzucker, entwässernde Tabletten, Beruhigungs- und Schlafmittel. Diese Liste einmal durchzugehen löst mehr Fälle, als man erwartet.
Bei der Drangform hilft es, den Gang zur Toilette bewusst um wenige Minuten hinauszuzögern und die Abstände über Wochen zu verlängern. Vorsorglich zu gehen verstärkt das Problem.
Eine niedrig dosierte örtliche Anwendung bessert Drang, Brennen und wiederkehrende Infekte oft deutlich. Sie wird selten von selbst angeboten — danach zu fragen lohnt sich.
Ständiges Nachtröpfeln beim Mann kann eine überfüllte Blase sein, die überläuft — das Gegenteil einer schwachen Blase. Eine Ultraschallmessung des Restharns unterscheidet beides in zwei Minuten.
Etwa jede dritte Frau und jeder zehnte Mann ist im Lauf des Lebens betroffen. Im Schnitt vergehen sechs bis sieben Jahre, bis jemand es anspricht. Beckenbodentraining braucht drei Monate, bis sich etwas zeigt — und wirkt bei der Belastungsform bei zwei von drei.
Bei der Belastungsinkontinenz gibt es kaum ein wirksames Mittel — dort wirkt Beckenbodentraining, und zwar über drei bis sechs Monate mit täglicher Übung; es hilft bei etwa zwei Dritteln. Bei der Dranginkontinenz dämpfen Anticholinergika die Blasenmuskulatur, machen aber Mundtrockenheit und stehen bei älteren Menschen wegen der Wirkung auf das Denken in der Kritik; Mirabegron wirkt anders und ist dort günstiger. Botulinumtoxin in die Blasenwand hält sechs bis neun Monate.
Kleine Mengen, ohne dass vorher ein Drang da war. Das ist die Belastungsform — hier wirkt Beckenbodentraining am besten.
Ein plötzlicher Drang beim Heimkommen, beim Händewaschen oder beim Geräusch von fliessendem Wasser. Das ist die Drangform, und sie ist erlernt — deshalb lässt sie sich auch umlernen.
Dauerndes Nachtröpfeln kann eine überfüllte Blase sein, die überläuft. Das ist das Gegenteil einer schwachen Blase und braucht eine andere Behandlung.
Die Schleimhaut von Harnröhre und Scheide wird dünner und weniger dicht. Eine örtliche Behandlung wirkt hier gut und wird oft gar nicht angesprochen.
Drei Dinge, die dauerhaft auf den Beckenboden drücken. Sie zu behandeln bessert die Inkontinenz mit, ohne dass man sie direkt angeht.
Ein Harnwegsinfekt ist die häufigste vorübergehende Ursache und in fünf Minuten erkannt. Blut im Urin gehört unabhängig davon abgeklärt.
Ein zu hoher Zucker treibt die Urinmenge und schädigt über die Jahre die Nerven der Blase. Beides zusammen macht aus einer kleinen Schwäche ein grosses Problem.
Wichtig vor allem dann, wenn die Blase sich nicht vollständig entleert. Ein steigender Wert bedeutet, dass der Rückstau die Nieren erreicht.
Eine ausreichende Urinmenge über den Tag verdünnt, was sonst auskristallisiert oder reizt. Gleichmässig über den Tag verteilt wirkt sie besser als in zwei grossen Portionen.
Bei eingeschränkter Nierenfunktion steigt es an und wird für den Herzrhythmus gefährlich; unter entwässernden Mitteln fällt es. In beide Richtungen gehört es gemessen und nicht geschätzt.
Kalzium zu streichen ist bei Steinen der falsche Weg: Es bindet Oxalat schon im Darm. Kalzium zur Mahlzeit statt zwischendurch ist der Hebel, nicht der Verzicht.
Viel Salz treibt Kalzium in den Urin und erhöht damit die Steinbildung; es hebt zugleich den Blutdruck, der die Nieren belastet. Der grösste Teil steckt in Brot, Käse und Fertigem.
Traditionell verwendet; die Studien sind klein und offen. Was messbar wirkt, ist Beckenbodentraining über mindestens 3 Monate — bei Belastungsinkontinenz die Massnahme mit den besten Zahlen überhaupt.
Weniger Koffein reduziert Drang und Verlust messbar. Wer aus Sorge vor dem Verlust weniger trinkt, macht es dabei schlimmer — konzentrierter Urin reizt die Blase zusätzlich.
Nach den Wechseljahren wird das Gewebe von Harnröhre und Scheide dünner — einer der Gründe, warum die Beschwerden dann zunehmen.
Wer weniger trinkt, bekommt konzentrierten Urin, der zusätzlich reizt. 1.5–2 Liter über den Tag, davon wenig in den zwei Stunden vor dem Schlafen, ist das übliche Vorgehen.
In kontrollierten Studien senkte eine Gewichtsabnahme von 5–10 % die Zahl der Episoden um etwa die Hälfte — vergleichbar mit dem Effekt von Beckenbodentraining.
Beckenbodentraining ist bei Belastungsinkontinenz die Behandlung erster Wahl, vor jedem Eingriff.