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Anisocoria
Nicht die Grösse entscheidet, sondern der Verlauf: seit jeher gleich ist meist Normvariante — plötzlich neu gehört abgeklärt.
Auch bekannt als: Pupillendifferenz · eine Pupille grösser als die andere
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Anisokorie heisst nur eines: Die beiden Pupillen sind unterschiedlich gross. Das ist keine Diagnose, sondern eine Beobachtung — und bei 10 bis 20 Prozent aller Menschen gehört sie schlicht zum Körper. Diese einfache Anisokorie liegt meist bei etwa 0,4 Millimetern Unterschied, selten über 0,8, und sie bleibt über die Jahre gleich. Oft fällt sie erst nach Jahrzehnten auf, auf einem Foto.
Im höheren Alter kommen harmlose Gründe dazu, die einen bestehenden Unterschied deutlicher machen. Nach einer Staroperation bleibt die Pupille manchmal etwas unrund oder träger. Eine durchgemachte Regenbogenhautentzündung kann feine Verwachsungen hinterlassen, die sie an einer Stelle festhalten. Augentropfen gegen den grünen Star verengen die Pupille; Spray aus einem Inhalator, das ins Auge gerät, weitet sie für Stunden bis Tage. Und die Pupillen werden mit den Jahren ohnehin kleiner und langsamer — dadurch fällt ein Unterschied stärker auf als früher.
Worauf es ankommt, ist nicht die Grösse, sondern der Verlauf. Ein Unterschied, den jemand seit jeher hat und der gleich bleibt, ist fast immer eine Normvariante. Ein Unterschied, der plötzlich neu auftritt — besonders zusammen mit einem hängenden Lid, Doppelbildern, Kopfschmerz oder Schmerz am Hals —, gehört sofort abgeklärt. Alte Fotos sind dabei erstaunlich nützlich: Sie zeigen, ob es das schon immer gab. Kommt zu einem neuen Lidhängen oder Doppelbildern eine weite, auf Licht kaum reagierende Pupille dazu, spricht das eher für eine von aussen drückende Ursache — die Fasern für die Pupille verlaufen aussen am Nerv und sind zuerst betroffen.
Der einfachste Test überhaupt. Ein Bild von vor zehn Jahren zeigt, ob der Unterschied neu ist — und das entscheidet mehr als jede Messung.
Wird der Unterschied im Dunkeln grösser, liegt es an der kleineren Pupille — sie weitet sich schlecht. Wird er im Hellen grösser, liegt es an der grösseren — sie verengt sich schlecht. Das ist die entscheidende Weiche, und sie kostet nichts.
Hängt ein Lid, und wenn ja, auf welcher Seite? Auf der Seite der kleineren Pupille weist es in eine andere Richtung als auf der Seite der grösseren.
Die Liste der Augentropfen und Inhalatoren durchgehen, bevor man weiter sucht. Oft ist genau das die Antwort.
Plötzlich neu aufgetreten, zusammen mit hängendem Lid, Doppelbildern, starkem Kopfschmerz oder Schmerz am Hals: sofort abklären lassen, nicht bis zum nächsten Termin warten.
Ein Unterschied, der jemandem erst spät auffällt, ist deshalb nicht neu entstanden. Gerade bei alten Menschen bemerkt man ihn oft erst, wenn man genauer hinsieht oder ein Foto betrachtet — nicht, weil sich etwas verändert hat, sondern weil man nun hinschaut. Ein lebenslang bestehender Unterschied ist kein übersehenes Warnzeichen.
Die einfache Anisokorie, bei 10 bis 20 Prozent aller Menschen. Der Unterschied bleibt im Hellen und im Dunkeln ungefähr derselbe, beide Pupillen reagieren normal auf Licht. Kein Krankheitswert, keine Behandlung nötig.
Nach einer Staroperation kann die Pupille etwas unrund oder träger bleiben; eine durchgemachte Regenbogenhautentzündung hinterlässt manchmal feine Verwachsungen. An der Spaltlampe ist das sofort zu sehen.
Glaukomtropfen verengen die Pupille. Spray aus einem Inhalator, das ins Auge gerät, ein Scopolamin-Pflaster oder bestimmte Pflanzensäfte an den Fingern weiten sie für Stunden bis Tage. Diese Ursache wird sehr häufig übersehen.
Das Horner-Syndrom. Der Unterschied fällt im Dunkeln stärker auf, weil sich die kleinere Pupille schlechter weitet. Neu aufgetreten und mit Hals- oder Kopfschmerz gehört das sofort abgeklärt.
Eine Lähmung des dritten Hirnnervs. Plötzlich aufgetreten ist das ein Notfall und gehört ohne Umweg in die Abklärung.
Die Adie-Pupille, meist bei jüngeren Frauen. Sie reagiert auf Licht kaum, beim Blick in die Nähe dafür langsam und verzögert. Gutartig — sie bleibt aber oft dauerhaft bestehen.
AWMF 030-137 · S1 · 2021-11 — gültig
Augenmotilitätsstörung inklusive Nystagmus
Am 20.09.2026 nachgeschaut: keine Nachfolgefassung im Register. Läuft am 26.09.2026 ab — danach ist 2021-11 die einzige und dann abgelaufene Fassung. Zur Anisokorie selbst und zur Subarachnoidalblutung gibt es keine gültige Leitlinie.
geprüft 2026-09 · zuletzt nach einer Nachfolge geschaut 2026-09-20