Beschwerden & Zusammenhänge · borters.ch

Ausfall eines Augenmuskelnervs

Paresis nervi oculomotorii · trochlearis · abducentis

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Plötzliche Doppelbilder, die verschwinden, sobald ein Auge zugehalten wird. Ein weit gestellter Pupille auf derselben Seite verändert die Lage grundlegend.

Auch bekannt als: Hirnnervenparese · Abduzensparese · Trochlearisparese · Okulomotoriusparese · Doppelbilder mit Schielstellung

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Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.

Sechs Muskeln bewegen jedes Auge, und drei Nerven steuern sie. Fällt einer dieser Nerven aus, hinkt ein Auge der Bewegung des anderen hinterher. Das Gehirn bekommt dann zwei Bilder, die nicht mehr übereinanderpassen, und zeigt beide — Doppelbilder.

Daraus folgt der wichtigste Handgriff überhaupt: ein Auge zuhalten. Verschwindet das zweite Bild, kommt es aus dem Zusammenspiel der beiden Augen, und ein Nerv oder ein Muskel steht im Vordergrund. Bleibt das zweite Bild bestehen, obwohl nur noch ein Auge offen ist, liegt es an diesem Auge selbst — an der Hornhaut, der Linse oder einer Trübung. Diese eine Unterscheidung teilt das ganze Feld in zwei Hälften, und sie ist die erste Frage in jeder Sprechstunde.

Welcher Nerv betroffen ist, verrät die Richtung. Fällt der sechste aus, kann das Auge nicht nach aussen; die Doppelbilder stehen nebeneinander und werden beim Blick zur betroffenen Seite und in die Ferne schlimmer. Fällt der vierte aus, stehen die Bilder übereinander oder verkippt, am deutlichsten beim Blick nach unten — Treppen werden zum Problem —, und der Kopf wird oft zur Gegenseite geneigt gehalten. Fällt der dritte aus, hängt zusätzlich das Lid, und das Auge steht nach aussen und unten.

Die häufigste Ursache im höheren Alter ist ein Verschluss der winzigen Gefässe, die den Nerv selbst versorgen — meist bei Bluthochdruck oder Diabetes, oft mit Schmerz, und in aller Regel bildet sich das über acht bis zwölf Wochen von selbst zurück. Daneben stehen andere Gründe, die anders behandelt werden: eine Entzündung der Schläfenarterien jenseits der fünfzig, ein erhöhter Druck im Schädel, eine Muskelermüdbarkeit, eine Schilddrüsenerkrankung mit verdickten Augenmuskeln, ein Schlaganfall im Hirnstamm — und, beim dritten Nerv mit weiter, lichtstarrer Pupille, eine Aussackung eines Gefässes, die keinen Aufschub verträgt.

Hebel & Wege

studienbasiertDer Zuhalte-Befund gehört an den Anfang

Zu Hause prüfen und aufschreiben: Doppelbild bei beiden Augen offen — ja. Rechtes Auge zu — weg oder nicht. Linkes Auge zu — weg oder nicht. Drei Zeilen, und die Sprechstunde beginnt eine Stufe weiter oben.

studienbasiertIn welche Richtung wird es schlimmer

Blick geradeaus, nach links, nach rechts, nach oben, nach unten — und jeweils: mehr, gleich, weniger? Das ist die Landkarte, aus der sich der betroffene Nerv ablesen lässt, und sie ist in zwei Minuten gemacht.

studienbasiertÜber fünfzig gehören Entzündungswerte am selben Tag dazu

Eine Entzündung der Schläfenarterien kann Doppelbilder machen, bevor sie das Sehen nimmt. BSG und CRP kosten wenig und entscheiden viel — besonders, wenn Kopfschmerz an der Schläfe, eine druckempfindliche Arterie oder Schmerzen beim Kauen dazukommen.

studienbasiertDer häufige Fall erholt sich — mit einer Frist

Beim Gefässverschluss am Nerv bessert sich die Stellung meist innerhalb von acht bis zwölf Wochen vollständig. Was nach drei Monaten unverändert steht, gilt nicht mehr als dieser Fall und wird neu untersucht. Diese Frist ist der eigentliche Wert der Zahl.

studienbasiertEin Auge abkleben ist erlaubt

Solange die Doppelbilder bestehen, macht ein mattes Klebeband auf einem Brillenglas den Alltag wieder begehbar — Treppen, Gehsteigkanten, Tassen. Beim Erwachsenen schadet das dem Auge nicht. Beim Kind gilt das nicht: Dort gehört jedes Zukleben besprochen.

studienbasiertAutofahren ist die Frage, die keiner stellt

Doppelbilder heben die Tiefenwahrnehmung auf und verändern das Abschätzen von Abständen. Solange sie bestehen, gehört das Fahren besprochen — und nicht ausprobiert.

Mögliche Beschwerden

studienbasiertEin Auge zuhalten — und das zweite Bild ist weg

Der entscheidende Handgriff, und er kostet nichts. Verschwindet das Doppelbild, sobald eines der beiden Augen zu ist, geht es um das Zusammenspiel — Nerv, Muskel, Stellung. Bleibt es bei einem offenen Auge bestehen, liegt es in diesem Auge. Beides führt zu völlig verschiedenen Abklärungen.

studienbasiertNebeneinander, übereinander oder verkippt

Nebeneinander und schlimmer beim Blick zur Seite und in die Ferne spricht für den sechsten Nerv. Übereinander oder schräg und schlimmer beim Blick nach unten, etwa auf der Treppe, spricht für den vierten. Diese Beobachtung ist der Ärztin mehr wert als jede Beschreibung der Stärke.

assoziiertHängendes Lid und eine weite Pupille

Kommen zu Doppelbildern ein hängendes Oberlid und eine Pupille dazu, die auf derselben Seite grösser ist und auf Licht kaum reagiert, ist das der dritte Nerv mit beteiligter Pupille. Das ist der eine Fall in diesem ganzen Feld, der ohne Aufschub in die Bildgebung gehört.

studienbasiertGegen Abend stärker, morgens fast weg

Schwankt die Stärke über den Tag, wird sie beim Lesen und Fernsehen deutlicher und bessert sich nach einer Pause mit geschlossenen Augen, geht es eher um die Ermüdbarkeit der Muskeln als um einen ausgefallenen Nerv. Ein hängendes Lid, das mitschwankt, gehört zum selben Bild.

studienbasiertSchmerz drum herum

Ein dumpfer Schmerz über oder hinter dem Auge begleitet den Gefässverschluss am Nerv häufig und sagt für sich genommen nichts Schlimmes. Ein sehr plötzlicher, heftiger Kopfschmerz zusammen mit Doppelbildern ist etwas anderes und gehört sofort abgeklärt.

assoziiertWas sonst noch ausgefallen ist

Sprache, Schlucken, Gang, eine Körperseite, Taubheit im Gesicht, Schwindel oder ein Gefühl, dass sich alles dreht — kommt eines davon dazu, geht es nicht mehr nur um den Nerv, sondern um die Stelle im Hirnstamm, aus der er kommt.

Blutwerte

studienbasiertHbA1c

Der Blutzucker über zwei bis drei Monate. Er steht bei diesem Bild ganz vorne, weil ein unerkannter Diabetes die häufigste Grundlage des Gefässverschlusses am Nerv ist.

studienbasiertBSG

Jenseits der fünfzig gehört sie zu jedem neuen Augenmuskelausfall, um die Entzündung der Schläfenarterien nicht zu übersehen.

studienbasiertCRP

Wird mit der BSG zusammen bestimmt; die beiden ergänzen einander, und einer von beiden kann danebenliegen.