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Deficientia vitamini B6
Bei B6 machen zu wenig und zu viel dasselbe — kribbelnde, taube Füsse. Deshalb wird gemessen, bevor eingenommen wird.
Auch bekannt als: Vitamin-B6-Mangel · Pyridoxinmangel
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Vitamin B6 ist an über hundert Reaktionen beteiligt, vor allem im Eiweiss- und Nervenstoffwechsel, bei der Bildung von Botenstoffen und beim Aufbau des roten Blutfarbstoffs. Ein reiner Mangel durch die Ernährung ist selten, weil B6 in Fleisch, Fisch, Kartoffeln, Bananen und Vollkorn breit vorkommt. Häufiger sind Medikamente und Krankheiten die Ursache: Isoniazid gegen Tuberkulose, Penicillamin, Hydralazin, dazu regelmässiger Alkohol, Zöliakie, chronische Nierenkrankheit und Dialyse. Zeichen sind Kribbeln und Taubheit an Händen und Füssen, eine gerötete, schuppende Haut um Nase, Augenbrauen und Mund, eingerissene Mundwinkel, eine wunde Zunge, Reizbarkeit und Verwirrtheit; beim Säugling können Krampfanfälle auftreten. Dieses Dossier hat allerdings eine Besonderheit, die es von allen anderen Vitaminen unterscheidet: Bei B6 ist zu viel im Alltag das häufigere Problem. Hohe Dosen über Monate — oft unbemerkt in Nerven-, Stimmungs- und Magnesiumpräparaten oder in einem B-Komplex — verursachen eine Nervenschädigung, die sich genau gleich anfühlt wie der Mangel: kribbelnde, taube Füsse und ein unsicherer Gang. Wer also wegen Kribbelns B6 einnimmt, kann das Kribbeln damit verstärken. Deshalb wird gemessen, bevor eingenommen wird.
B-Komplex, Nerven- und Stimmungsprodukte, Magnesium mit B6, Energiedrinks: Die Milligramm summieren sich. Einmal alle Packungen nebeneinanderlegen und die Zahlen addieren beantwortet die Frage oft sofort.
Weil Mangel und Überschuss dasselbe Bild machen, entscheidet nur der Wert, in welche Richtung es geht. Ein Präparat auf Verdacht kann hier schaden.
Die Nerven erholen sich nach dem Absetzen meist, aber langsam — über Monate. Je früher es auffällt, desto vollständiger ist die Erholung.
Fisch, Geflügel, Kartoffeln, Bananen, Kichererbsen, Vollkorn und Nüsse liefern reichlich. In dieser Form ist eine Überversorgung nicht möglich.
Diabetes, B12-Mangel, Schilddrüse, Alkohol und eingeklemmte Nerven kommen viel häufiger vor. B6 gehört dazu, steht aber selten allein.
Das ist der eine Fall, in dem vorbeugend eingenommen wird — in festgelegter, niedriger Dosis und als Teil des Behandlungsplans.
B6 füllt einen Speicher, der sich in Wochen aufbaut; Zeichen wie Mundwinkelrisse und Nervenkribbeln bessern sich über vier bis zwölf Wochen. Hier ist die Menge ausnahmsweise in beide Richtungen entscheidend: Zu viel B6 über Monate — ab etwa fünfzig bis hundert Milligramm täglich — verursacht selbst eine Nervenschädigung, die sich nur langsam und nicht immer vollständig zurückbildet. Isoniazid, Penicillamin und Hydralazin senken den Spiegel und werden deshalb mit B6 kombiniert.
Der Tagesbedarf liegt bei etwa 1,3 bis 1,7 Milligramm. Der Speicher hält ohne Zufuhr zwei bis sechs Wochen. Hier ist die obere Grenze der eigentliche Punkt: Ab etwa fünfzig bis hundert Milligramm täglich über Monate entsteht eine eigene Nervenschädigung, die sich nach dem Absetzen über Monate bis Jahre und nicht immer vollständig zurückbildet. Viele Kombipräparate für Nerven und Haut enthalten deutlich mehr als den Bedarf.
Das ist der Hinweis, auf den es hier ankommt. Wenn Beschwerden unter einem Präparat zunehmen, ist die Dosis die erste Verdächtige — nicht der Mangel.
Zusammen mit eingerissenen Mundwinkeln und einer wunden Zunge ist das die typische Kombination des Mangels — sie sieht aus wie ein hartnäckiges seborrhoisches Ekzem.
Die Dosis steht klein auf der Rückseite und summiert sich, wenn mehrere Produkte zusammenkommen. Genau hier entsteht die Überversorgung, ohne dass jemand sie beabsichtigt hat.
Hier ist der Mangel eingeplant: B6 wird zu dieser Behandlung regelhaft dazugegeben, gerade um die Nervenschädigung zu verhindern.
Alkohol stört Aufnahme und Umwandlung in die aktive Form gleichzeitig. Er ist im Alltag die häufigste Ursache eines echten Mangels.
Was ein Mangel am Körper sichtbar macht — an Haut, Nägeln, Zunge, Augen und Nerven. Die Zeichen sind unspezifisch: Sie zeigen, wo man nachsehen kann, sie beweisen nichts.
Gemessen wird die aktive Form. Der Wert beantwortet beide Fragen auf einmal — ob zu wenig da ist und ob zu viel eingenommen wurde.
Steigt, wenn B6 knapp ist — allerdings auch bei B12- und Folatmangel. Er zeigt, dass eine Lücke im Stoffwechsel angekommen ist, nicht welche.
Ein ausgeprägter B6-Mangel kann eine Blutarmut mit auffallend kleinen roten Blutkörperchen machen — anders als bei B12 und Folat, wo sie zu gross werden.
Bei chronischer Nierenkrankheit und unter Dialyse geht B6 verloren. Das ist eine der häufigsten medizinischen Ursachen und wird selten mitgedacht.
B6 ist der Baustein-Helfer für Serotonin, Dopamin und GABA — ohne ihn stockt die Herstellung aller drei. Das ist der Grund, warum ein Mangel Reizbarkeit, gedrückte Stimmung und im Extremfall Krampfanfälle machen kann.
Unter der Pille wurde ein niedrigerer B6-Spiegel gemessen. Der Unterschied ist klein und meist ohne Folgen — er erklärt aber, warum B6 bei PMS so oft angeboten wird.
B6 dämpft die Prolaktinausschüttung leicht — daher stammt der alte Einsatz beim Abstillen. Wirksam war das nur in Mengen, die heute wegen der Nervenschädigung nicht mehr gegeben werden.
B6 steckt in Fleisch, Fisch, Kartoffeln, Bananen und Vollkorn — ein Mangel allein durch Ernährung ist selten. Häufiger sind bestimmte Medikamente die Ursache. Und in die andere Richtung: über 50 mg am Tag über Monate schädigt B6 selbst die Nerven.