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CRPS (Komplexes regionales Schmerzsyndrom)

Complex Regional Pain Syndrome

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Der Schmerz nach einer Verletzung bleibt und passt nicht mehr zum Anlass — je früher das einen Namen bekommt und die Hand oder der Fuss wieder in Bewegung kommt, desto besser geht es aus.

Auch bekannt als: Morbus Sudeck · Sudeck-Dystrophie · sympathische Reflexdystrophie · Algodystrophie · Schulter-Hand-Syndrom · CRPS I und CRPS II · Schmerz nach Bruch oder Gips

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Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.

Nach einer Verletzung — meist einem Bruch des Handgelenks, manchmal einer Verstauchung, einer Operation oder einem ganz banalen Anlass — geht der Schmerz nicht zurück, sondern bleibt oder nimmt zu. Er passt nicht mehr zum Anlass, und er sitzt nicht nur an der verletzten Stelle: Betroffen ist die ganze Hand oder der ganze Fuss, über das Gebiet eines einzelnen Nervs hinaus. Dazu kommen Zeichen, die man sehen und fühlen kann — Schwellung, eine andere Farbe und Temperatur als auf der Gegenseite, verändertes Schwitzen, später andere Haare und Nägel, Steifigkeit und Kraftverlust. Berührung, die sonst nichts ausmacht, kann weh tun. Es gibt zwei Formen: bei der häufigeren ist keine Nervenverletzung nachweisbar (CRPS I, früher Morbus Sudeck), bei der selteneren schon (CRPS II). Frauen sind häufiger betroffen, der Häufigkeitsgipfel liegt etwa zwischen dem 40. und dem 70. Lebensjahr. Wie oft es vorkommt, hängt stark davon ab, nach welchen Kriterien gezählt wird — die Angaben in Untersuchungen gehen entsprechend weit auseinander. Die Diagnose wird am Menschen gestellt, nicht im Labor: Nach den heute üblichen Budapest-Kriterien braucht es Beschwerden aus mindestens drei von vier Gruppen und Befunde aus mindestens zwei davon bei der Untersuchung. Kein Blutwert und kein Bild beweist es; Röntgen oder eine Skelettszintigrafie können stützen, ein unauffälliges Ergebnis schliesst es aber nicht aus. Umgekehrt gilt: einen Namen zu haben ist schon ein Teil der Behandlung — viele Betroffene sind vorher lange ohne Erklärung geblieben. Zwei verbreitete Annahmen halten der Prüfung nicht stand. Erstens: CRPS ist nichts Eingebildetes und nicht psychisch verursacht. Die früher vermutete „CRPS-Persönlichkeit“ liess sich in Untersuchungen nicht bestätigen. Dass Schmerz und Belastung aufeinander wirken, ist ein Grund für Begleitung — kein Grund zu zweifeln. Zweitens: Schonen hilft nicht. Ruhigstellen und die Hand aus dem Alltag herausnehmen verschlechtert den Verlauf. Behandelt wird darum von Anfang an auf die Funktion hin: Schmerzlinderung so weit, dass Bewegung möglich wird, dann Physio- und Ergotherapie unterhalb der Schmerzgrenze. Spiegeltherapie und abgestufte Bewegungsvorstellung haben eigene Untersuchungen für sich; für Bisphosphonate in der Frühphase gibt es Studien, für Blockaden des sympathischen Nervensystems ist die Beleglage dünn. Vitamin C nach einem Handgelenksbruch wurde lange zur Vorbeugung empfohlen; spätere Auswertungen haben das in Frage gestellt — die Sache gilt heute als offen. Der Verlauf ist besser als sein Ruf: Viele bessern sich im ersten Jahr deutlich, besonders wenn früh erkannt und früh bewegt wird. Ein Teil behält Einschränkungen. Deshalb zählt vor allem eines — Schmerz, der nach Bruch oder Gips zunimmt statt abzunehmen, gehört früh angeschaut.

Hebel & Wege

studienbasiertFrüh einen Namen geben

Die Diagnose wird an den Beschwerden und am Befund gestellt, nicht durch einen Test. Wer den Verdacht früh äussert, verkürzt oft Monate der Ungewissheit — und früh begonnen ist die Behandlung am wirksamsten.

studienbasiertBewegen statt schonen

Ruhigstellen verschlechtert den Verlauf. Bewegung unterhalb der Schmerzgrenze, regelmässig und in kleinen Schritten, ist der Kern der Behandlung — nicht die Belohnung dafür, dass es besser geworden ist.

studienbasiertSchmerzlinderung als Mittel zum Zweck

Der Zweck ist die Bewegung. Die Schmerzbehandlung wird so gewählt, dass Üben möglich wird — das ist ihr Massstab, nicht die Schmerzfreiheit an sich.

studienbasiertErgo- und Physiotherapie mit Funktionsziel

Nicht Dehnen um jeden Preis, sondern greifen, halten, abrollen, belasten. Ziel ist, dass die Hand oder der Fuss im Alltag wieder mitarbeitet.

assoziiertSpiegeltherapie und Bewegungsvorstellung

Die gesunde Seite wird im Spiegel gesehen, als wäre sie die kranke; oder Bewegungen werden zuerst nur vorgestellt und schrittweise gesteigert. Beides hat eigene Untersuchungen für sich und wird angeleitet begonnen.

studienbasiertDie Hand oder den Fuss im Alltag benutzen

Knöpfe, Wäsche, Zähneputzen, Gehen: Alltagsbewegungen zählen mehr als jedes Übungsprogramm allein, weil sie täglich stattfinden und einen Sinn haben.

assoziiertBelastung dosieren statt in Schüben üben

An guten Tagen alles nachholen und danach Tage brauchen, um sich zu erholen, bringt weniger als jeden Tag ein gleichmässiges, kleineres Mass.

studienbasiertBegleitung für die Psyche — als Unterstützung, nicht als Ursache

Dauerschmerz zehrt, und Angst vor Bewegung hält den Kreis in Gang. Schmerzpsychologische Begleitung setzt genau dort an. Sie behandelt nicht die Ursache — die liegt nicht in der Psyche.

assoziiertBisphosphonate in der Frühphase

Für die frühen Monate gibt es Studien zu dieser Medikamentengruppe. Ob sie im Einzelfall passt, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

InfoWas das Mittel tut — und was nicht

Kein Mittel heilt ein CRPS. Was in Studien wirkt, wirkt früh: Bisphosphonate in den ersten Monaten, Vitamin C nach Handgelenksbruch zur Vorbeugung, Cortison in der heissen Anfangsphase. Klassische Schmerzmittel wirken kaum, weil der Schmerz aus der Verarbeitung kommt. Was den Verlauf am stärksten bestimmt, ist Bewegung trotz Schmerz und Spiegel- oder Vorstellungstraining — Ruhigstellung verschlechtert die Sache messbar, und genau das ist das Gegenteil dessen, was sich richtig anfühlt.

InfoZahlen und Zeiträume

Es tritt bei etwa zwei bis fünf von hundert Menschen nach einem Bruch oder einer Operation auf, am häufigsten nach einem Handgelenksbruch. Die Zeichen entwickeln sich innert Tagen bis Wochen: Schmerz, der nicht zur Verletzung passt, Schwellung, Farb- und Temperaturunterschied, vermehrtes Schwitzen. Vitamin C in einer Dosis von 500 Milligramm täglich über fünfzig Tage nach einem Handgelenksbruch senkte in Studien die Häufigkeit. Die grösste Chance liegt in den ersten drei bis sechs Monaten.

Mögliche Beschwerden

studienbasiertSchmerz, der nicht zum Anlass passt

Nach einem Bruch oder einer Operation lässt der Schmerz normalerweise nach. Bleibt er gleich oder nimmt er zu, ist das das erste und wichtigste Zeichen.

studienbasiertDie ganze Hand oder der ganze Fuss

Nicht nur die verletzte Stelle und nicht das Gebiet eines einzelnen Nervs — das unterscheidet es von einer Nervenverletzung oder einer Engstelle.

studienbasiertBerührung tut weh

Der Ärmel, die Bettdecke, ein Windzug: Was sonst nicht wehtut, kann brennen. Fachlich heisst das Allodynie.

studienbasiertFarbe und Temperatur anders als auf der Gegenseite

Blass, rot oder bläulich; wärmer oder kühler als die gesunde Seite. Der Vergleich mit der anderen Hand oder dem anderen Fuss ist der einfachste Test.

studienbasiertSchwellung und verändertes Schwitzen

Die Hand bleibt dick, der Ring passt nicht mehr; die Haut schwitzt mehr oder weniger als auf der anderen Seite.

assoziiertSteife, Kraftverlust, veränderte Haare und Nägel

Später kommen Bewegungseinschränkung, Zittern und trophische Zeichen dazu: Nägel wachsen anders, die Behaarung ändert sich, die Haut wird dünner.

Blutwerte

studienbasiertCRP

Kein CRPS-Nachweis. Zum Ausschluss einer Infektion nach Bruch oder Operation, die ähnlich aussehen kann — rot, warm, geschwollen. Bei CRPS ist es meist unauffällig.

assoziiertBlutsenkung (BSG)

Zum Ausschluss einer entzündlich-rheumatischen Ursache. Auch hier gilt: ein normaler Wert spricht nicht gegen CRPS.

assoziiertHarnsäure

Zum Ausschluss: Ein Gichtanfall an Hand oder Fuss sieht auf den ersten Blick ähnlich aus — rot, heiss, geschwollen, sehr schmerzhaft.

assoziiertTSH

Zum Ausschluss einer Schilddrüsenstörung, die Steife und Schmerzen an Hand und Schulter begünstigen kann.

Nährstoffe

studienbasiertVitamin B12

Ohne B12 wird die Isolierschicht der Nerven nicht erhalten. Ein Mangel macht Kribbeln, Taubheit und Unsicherheit im Dunkeln — und er ist einer der wenigen Gründe für Nervenbeschwerden, die sich vollständig beheben lassen, wenn er früh gefunden wird.

assoziiertVitamin B1 (Thiamin)

Die Nerven decken ihren Energiebedarf über Thiamin. Bei Alkohol, nach Magenoperationen, bei lange anhaltendem Erbrechen und unter entwässernden Mitteln wird es knapp.

assoziiertVitamin B6

Hier zählt beides: Ein Mangel schadet den Nerven, und eine zu hohe Zufuhr über Monate schadet ihnen ebenfalls. Ergänzungsmittel gehören darum in einer Dosis genommen, die begründet ist.

assoziiertFolsäure

Arbeitet mit B12 zusammen. Wird Folsäure allein gegeben, kann sie das Blutbild bessern, während der B12-Mangel an den Nerven weitergeht — deshalb werden beide zusammen angeschaut.

Supplemente

gemischtVitamin C

Nach einem Handgelenksbruch lange zur Vorbeugung empfohlen; spätere Auswertungen haben den Nutzen in Frage gestellt. Die Beleglage gilt heute als offen.

InfoVitamin B12

Bei Mangel — vegan, Ältere, bestimmte Medikamente — klar sinnvoll und gut belegt. Ohne Mangel kein Energieschub.

InfoFolsäure / Folat

In der Schwangerschaft zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten klar belegt, sonst vor allem bei Mangel. Kann einen B12-Mangel verdecken — beides beachten.

Hormone

gemischtCortisol

In der frühen, entzündlichen Phase — Wochen bis wenige Monate — zeigte Cortison in Studien Wirkung. Später nicht mehr. Das ist einer der wenigen Punkte in dieser Erkrankung, bei dem der Zeitpunkt alles entscheidet.

studienbasiertNoradrenalin

Die betroffene Hand oder der Fuss wechselt Farbe und Temperatur — das sympathische Nervensystem ist mitbeteiligt. Deshalb verstärkt Kälte und Aufregung die Beschwerden, und deshalb hilft Bewegung mehr als Schonung.

gemischtParathormon (PTH)

Der Knochen im betroffenen Bereich verliert rasch an Dichte — im Röntgenbild fleckig. Bisphosphonate, sonst Osteoporosemittel, wurden hier in Studien mit Nutzen eingesetzt.

Nahrung

gemischtVitamin C nach Handgelenksbruch

In mehreren Studien senkte 500 mg Vitamin C täglich für 50 Tage nach einem Radiusbruch das Auftreten von CRPS. Spätere Arbeiten fanden den Effekt kleiner — die Massnahme ist einfach und risikoarm.

Alternative Ansätze — was Menschen nutzen

studienbasiertPhysiotherapie

Spiegeltherapie und abgestufte Bewegungsvorstellung sind die am besten untersuchten Verfahren. Ruhigstellen verschlechtert das Bild — das ist beim CRPS der entscheidende Punkt, der oft falsch gemacht wird.

gemischtVitamin C

Nach Handgelenksbruch senkte 500 mg täglich über 50 Tage in mehreren Studien das Auftreten von CRPS. Spätere Arbeiten fanden den Effekt kleiner — die Massnahme bleibt einfach und risikoarm.