Beschwerden & Zusammenhänge · borters.ch
Angina abdominalis · Ischaemia mesenterica chronica · Syndroma ligamenti arcuati mediani
Schmerz zuverlässig kurz nach dem Essen, stärker bei grösseren Portionen, dazu Essensangst und Gewichtsverlust — und alle üblichen Untersuchungen unauffällig. Dann gehören die Bauchgefässe angeschaut.
Auch bekannt als: Angina abdominalis · chronische mesenteriale Ischämie · Darmangina · Ligamentum-arcuatum-Syndrom · MALS · Dunbar-Syndrom · Truncus-coeliacus-Kompressionssyndrom
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Verdauen ist Arbeit, und Arbeit braucht Blut: Nach einer Mahlzeit steigt die Durchblutung des Darms um ein Vielfaches. Reicht der Zufluss dafür nicht, entsteht Schmerz — nach demselben Prinzip wie die Angina pectoris am Herzen, nur im Bauch. Das Muster ist darum sehr charakteristisch: dumpfer, krampfartiger Schmerz um den Nabel oder im Oberbauch, fünfzehn bis sechzig Minuten nach dem Essen, umso stärker je grösser die Portion, dazu Angst vor dem Essen und ein Gewichtsverlust, der sich nicht erklären lässt. Zwei ganz verschiedene Wege führen dorthin. Der erste ist die Arteriosklerose der drei Bauchschlagadern, meist nach dem sechzigsten Lebensjahr, fast immer bei Rauchern und fast immer zusammen mit Verengungen an Herz oder Beinen; weil der Darm von drei Gefässen gespeist wird und diese untereinander verbunden sind, treten Beschwerden erst auf, wenn mindestens zwei davon eng sind. Der zweite ist das Ligamentum-arcuatum-Syndrom: Ein sehnig-muskuläres Band des Zwerchfells liegt zu tief und drückt beim Ausatmen auf den Truncus coeliacus, die oberste der drei Arterien. Betroffen sind hier meist junge, schlanke Menschen, häufiger Frauen, oft zwischen zwanzig und vierzig — und die Beschwerden können sich mit der Atmung und mit Körperlage verändern. Bei diesem zweiten Weg ist vieles noch offen: Die Enge findet sich auch bei Menschen ohne jede Beschwerde, und ob der Schmerz aus der Durchblutung oder aus dem gereizten Nervengeflecht daneben kommt, ist nicht abschliessend geklärt. Gemeinsam ist beiden Wegen, dass sie behandelbar sind und im Schnitt jahrelang übersehen werden — weil Magenspiegelung, Ultraschall der Gallenblase und Darmspiegelung unauffällig bleiben und niemand die Gefässe anschaut.
Zwei Wochen: Uhrzeit des Essens, Uhrzeit des Schmerzes, Grösse und Fettgehalt der Portion, Gewicht einmal pro Woche. Genau diese Aufstellung ist das, was die Frage nach den Gefässen auslöst — kein Blutwert tut das.
Eine Ultraschalluntersuchung mit Flussmessung, nüchtern und noch einmal nach einer Testmahlzeit. Sie ist ohne Strahlung, dauert eine halbe Stunde und beantwortet die Frage bei den meisten bereits.
Beim Ligamentum-arcuatum-Syndrom zeigt sich die Enge oft nur beim Ausatmen. Wird nur einmal gemessen, wird sie übersehen — dieser Hinweis gehört ausgesprochen, bevor die Untersuchung stattfindet.
Weniger auf einmal heisst weniger Blutbedarf auf einmal. Das behebt die Ursache nicht, macht aber die Zeit bis zur Abklärung erträglich und bremst den Gewichtsverlust.
Wer mit deutlichem Gewichtsverlust und tiefem Albumin operiert wird, hat mehr Komplikationen. Trinknahrung, eiweissreiche kleine Portionen und bei schwerem Verlauf eine Ernährung über die Vene gehören zur Vorbereitung.
Bei der Verkalkungsform ist Rauchen der stärkste einzelne Treiber, und er wirkt auf alle drei Gefässgebiete zugleich. Ein Stent ohne Rauchstopp verschliesst sich deutlich häufiger wieder.
Wer hier eine Verengung hat, hat sie fast immer auch anderswo. Der Blick auf Herz, Halsschlagader und Beinarterien gehört zum selben Termin.
Bei schlagartigem, sehr starkem Bauchschmerz mit weichem Bauch zählt jede Stunde. Nichts essen und nichts trinken, direkt in den Notfall — nicht auf einen Termin warten.
Weil die Enge auch bei Beschwerdefreien vorkommt und der Nutzen des Eingriffs unterschiedlich beurteilt wird, ist eine zweite Beurteilung hier üblich und sinnvoll. Sie spricht weder für noch gegen die Operation — sie sorgt dafür, dass beide Seiten gehört sind.
Wenn der Schmerz nicht mit der Portionsgrösse wächst, kein Gewicht verloren geht und die Gefässe in Ordnung sind, liegt es eher an Bewegung oder Empfindlichkeit des Darms. Auch das ist behandelbar — nur anders.
Kein Mittel weitet eine verengte Bauchschlagader. Gerinnungshemmer und Statine halten den Zustand und schützen die anderen Gefässe, sie ändern die Enge nicht. Was sie beseitigt, ist der Stent oder die Umleitung — und danach ist der Schmerz nach dem Essen meist sofort weg, weil die Durchblutung wieder reicht. Beim Ligamentum-arcuatum-Syndrom wirkt kein Mittel: Dort drückt ein Band von aussen auf das Gefäss, und nur dessen Durchtrennung ändert etwas.
Der Schmerz beginnt fünfzehn bis dreissig Minuten nach dem Essen und dauert ein bis drei Stunden — dieser Zeitverlauf ist das Erkennungszeichen, denn nach dem Essen steigt der Blutbedarf des Darms um das Doppelte bis Dreifache. Beschwerden treten meist erst auf, wenn zwei der drei versorgenden Gefässe verengt sind. Der Gewichtsverlust entsteht durch Essensangst und nicht durch schlechte Aufnahme. Beim Ligamentum-arcuatum-Syndrom sind meist jüngere, schlanke Menschen betroffen, und der Schmerz ändert sich mit der Atmung.
Ein kleiner Teller geht, ein grosses Essen nicht — und ein fettreiches Essen am wenigsten. Diese Abhängigkeit von der Menge unterscheidet das Bild von fast allem anderen, was nach dem Essen weh tut.
Wer weiss, dass es nachher weh tut, isst weniger — nicht aus Appetitlosigkeit, sondern aus Erfahrung. Der Gewichtsverlust folgt daraus und wird oft fälschlich als erstes Zeichen einer Tumorerkrankung gedeutet.
Alter über sechzig, Rauchen, Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Diabetes — und bereits bekannte Verengungen am Herzen oder an den Beinarterien. Bei dieser Kombination ist der Bauch nur ein weiterer Ort desselben Vorgangs.
Junge, schlanke Menschen, häufiger Frauen zwischen zwanzig und vierzig, ohne Gefässrisiken. Die Beschwerden können auch bei Anstrengung auftreten, sich mit der Körperlage ändern und beim Ausatmen stärker werden. Manchmal ist im Oberbauch ein Strömungsgeräusch zu hören, das mit der Atmung wechselt.
Eine Einengung des obersten Bauchgefässes findet sich in der Bildgebung auch bei Menschen, die nie Beschwerden hatten. Deshalb wird beim Zwerchfellband erst nach dem Ausschluss der gewöhnlichen Ursachen behandelt — und die Diagnose bleibt eine des Zusammenpassens von Bild und Beschwerden.
Ein schlagartiger, sehr starker Bauchschmerz, der in keinem Verhältnis zum Tastbefund steht — der Bauch bleibt weich —, oft bei Vorhofflimmern oder nach einem Herzinfarkt: Das ist der akute Gefässverschluss und ein Notfall, bei dem Stunden über den Darm entscheiden.
Schmerz, der unabhängig vom Essen kommt, nächtlicher Schmerz ohne Bezug zur Mahlzeit, Fieber, Blut im Stuhl, ein zyklusabhängiges Muster oder ein Punkt, der beim Anspannen der Bauchdecke stärker wird. Dann führen andere Wege weiter.
Der Wert, der die Mangelernährung sichtbar macht, die aus der Essensangst entsteht. Ein tiefes Albumin verschlechtert die Aussichten jeder Operation und gehört darum vorher aufgebaut.
Eine Blutarmut verschärft den Engpass zusätzlich, weil dasselbe Blut weniger Sauerstoff trägt. Sie ist hier kein Nebenbefund, sondern ein Teil des Problems.
Bei wenig Essen über Monate leert sich der Speicher, und bei der Arteriosklerose-Form kommen stille Blutverluste aus der geschädigten Schleimhaut dazu.
Bei der Arteriosklerose-Form ist die Senkung des LDL Teil der Behandlung, unabhängig davon, ob ein Stent gesetzt wird. Dieselben Ablagerungen sitzen fast immer auch an Herz und Beinen.
Ein unerkannter Diabetes treibt die Arteriosklerose in allen Gefässgebieten voran und macht zugleich eine Magenentleerungsstörung, die dasselbe Bild vortäuschen kann.
Bei der chronischen Form meist normal — das ist einer der Gründe, warum lange nicht weitergesucht wird. Ein deutlicher Anstieg zusammen mit heftigem Schmerz weist auf die akute Form hin.
Der Verlust an Muskelmasse ist hier das eigentliche Problem, nicht die verlorenen Kilos. Eiweissreiche kleine Portionen über den Tag verteilt halten mehr als eine grosse Mahlzeit, die ohnehin Schmerzen macht.
Wenig zu essen heisst oft auch, wenig zu trinken. Eine gute Durchblutung braucht ausreichend Volumen — zu wenig Flüssigkeit verschärft den Engpass zusätzlich.
Bei monatelang verminderter Nahrungsaufnahme leeren sich beide Speicher. Und eine Blutarmut verschlechtert genau das, worum es hier geht: den Sauerstofftransport in einen Darm, der ohnehin zu wenig bekommt.
Bei längerer Mangelernährung fehlt es regelmässig, und Muskelschwäche gehört zu den Folgen — genau das, was man vor einem Eingriff am wenigsten brauchen kann.
Wer fettreiches Essen meidet, weil es am meisten weh tut, nimmt auch weniger von den Vitaminen A, D, E und K auf. Das lohnt eine Messung, bevor daraus ein zweites Problem wird.
Bei Mangel — vegan, Ältere, bestimmte Medikamente — klar sinnvoll und gut belegt. Ohne Mangel kein Energieschub.
Bei Mangel klar sinnvoll und gut untersucht; für breitere Anwendungen gibt es weniger Daten. Fettlöslich — bei Hochdosis den Blutspiegel prüfen.
Nach dem Essen braucht der Darm mehr Blut — bis zum Doppelten. Sind die Gefässe verengt, entsteht genau dann der Schmerz: 15 bis 60 Minuten nach der Mahlzeit, umso stärker, je grösser sie war. Deshalb essen Betroffene immer weniger und verlieren Gewicht.
Diabetes und Rauchen sind die beiden grössten Einflüsse auf diese Gefässe — dieselben wie an Herz und Beinen. Wer die Schaufensterkrankheit hat, hat oft auch dieses Gefässgebiet betroffen.
Nach dem Essen braucht der Darm mehr Blut — bei verengten Gefässen entsteht dann der Schmerz. Kleinere Portionen brauchen weniger Mehrdurchblutung; viele kommen mit 6 kleinen Mahlzeiten weiter als mit dreien.
Aus Angst vor dem Schmerz wird weniger gegessen — Gewichtsverlust ist bei diesem Bild häufig und selbst ein Problem. Energiedichte kleine Mahlzeiten halten dagegen.
Wie bei der Schaufensterkrankheit im Bein fördert Bewegung Umgehungskreislaeufe. Bei Bauchschmerz nach dem Essen wird sie zwischen den Mahlzeiten gemacht, nicht danach.