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Paresis nervi facialis
Bewegt sich die Stirn noch? Bleibt sie beweglich und hängt nur der Mund, ist es ein Notfall im Kopf — und beim Rest zählen drei Tage und der Schutz des Auges.
Auch bekannt als: Fazialisparese · Bell-Lähmung · hängender Mundwinkel
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Eine plötzliche Schwäche der Gesichtsmuskeln auf einer Seite ist immer ein Grund, sofort abklären zu lassen — und dabei gibt es eine Unterscheidung, die man in Sekunden selbst treffen kann. Sie lautet: Bewegt sich die Stirn noch? Bei der harmlosen, häufigen Form ist die ganze Gesichtshälfte betroffen, die Stirn lässt sich nicht runzeln und das Auge nicht schliessen. Bleibt die Stirn dagegen beweglich und hängt nur der Mundwinkel, deutet das auf das Gehirn — und damit auf einen Schlaganfall, bei dem jede Minute zählt. Die häufige Form heisst Bell-Lähmung; sie entsteht durch eine Schwellung des Gesichtsnervs in seinem engen Knochenkanal und erholt sich in den meisten Fällen weitgehend. Zwei Dinge entscheiden dabei über das Ergebnis. Erstens die Zeit: Eine Cortisonbehandlung wirkt am besten, wenn sie innerhalb von drei Tagen beginnt. Zweitens das Auge — wenn der Lidschluss fehlt, trocknet die Hornhaut aus, und das ist die einzige bleibende Schädigung, die man sicher verhindern kann. Nach anderen Ursachen wird gesucht, wenn es beidseitig auftritt, sich über Wochen entwickelt, nach einem Zeckenstich kommt oder wenn Bläschen im Ohr auftauchen. Kommen eine Hörminderung, Ohrgeräusche, Gefühlsstörungen im Gesicht oder Doppelbilder dazu, spricht das gegen die gewöhnliche Form und für eine andere Ursache, die abgeklärt gehört.
Solange nicht sicher ist, ob die Stirn mitbetroffen ist, gilt der Verdacht auf einen Schlaganfall. Dieser Verdacht allein rechtfertigt den Notruf — nichts geht dabei verloren, wenn er sich nicht bestätigt.
Bei der Bell-Lähmung verbessert eine kurze Cortisonbehandlung die Aussichten deutlich, wenn sie früh startet. Das ist der Grund, warum man damit nicht über das Wochenende wartet.
Tagsüber Tropfen ohne Konservierungsmittel, stündlich bis zweistündlich; nachts eine Salbe und das Lid mit einem Pflasterstreifen locker geschlossen halten oder eine Uhrglasbrille tragen. Das ist die eine Massnahme, die einen bleibenden Schaden verhindert.
Besonders bei Kindern, im Sommer und bei beidseitiger Lähmung. Eine Borreliose als Ursache wird anders behandelt, und die Frage kostet nichts.
Sanfte, bewusste Bewegungen vor dem Spiegel und logopädische oder physiotherapeutische Anleitung helfen. Starke elektrische Reizung wird nicht empfohlen, weil sie ungewollte Mitbewegungen begünstigen kann.
Speisen sammeln sich in der gelähmten Wange, Getränke laufen aus dem Mundwinkel. Kleine Bissen, dickere Konsistenz und Mundpflege nach dem Essen ersparen viel Ärger.
Bei der Bell-Lähmung erreicht die Schwäche ihr Maximum innert zweiundsiebzig Stunden. Cortison wirkt, wenn es in den ersten zweiundsiebzig Stunden begonnen wird — später kaum noch; das ist der wichtigste Zeitpunkt der ganzen Erkrankung. Etwa sieben von zehn Menschen erholen sich vollständig, mit Cortison über acht von zehn. Die Erholung läuft über drei bis sechs Monate. Das Auge braucht in dieser Zeit Schutz, weil der Lidschluss fehlt.
Cortison wirkt bei der Bell-Lähmung — aber nur, wenn es innert der ersten zweiundsiebzig Stunden begonnen wird; das ist der wichtigste Zeitpunkt der ganzen Erkrankung. Virostatika bringen zusätzlich wenig und werden nur bei schweren Formen dazugegeben. Was kein Mittel leistet, ist der Schutz des Auges: Ohne Lidschluss braucht es Tropfen am Tag, Salbe und Verband in der Nacht — sonst trocknet die Hornhaut aus, und das ist der Schaden, der bleibt.
Wenn eine Gesichtshälfte nicht mitmacht, liest die Umgebung Gefühle, die nicht da sind — oder übersieht welche, die da sind. Das gehört mitbedacht, solange es dauert.
Das ist das eine Zeichen, das den Notruf rechtfertigt. Hängt nur der Mundwinkel und lässt sich die Stirn noch runzeln, liegt die Ursache im Gehirn.
Der wichtigste praktische Punkt der ganzen Krankheit. Ohne Lidschluss trocknet die Hornhaut aus, und daraus entsteht der einzige Schaden, der bleiben kann.
Das spricht für eine Gürtelrose am Gesichtsnerv. Sie tut mehr weh, erholt sich schlechter und wird zusätzlich gegen das Virus behandelt — deshalb lohnt der Blick ins Ohr.
Beides sind Begleitzeichen desselben Nervs und sagen der Untersuchung, auf welcher Höhe der Schaden sitzt. Sie sind unangenehm, aber kein schlechtes Zeichen.
Die Bell-Lähmung ist innert Stunden bis zwei Tagen komplett. Eine langsam zunehmende Schwäche passt nicht dazu und braucht eine Bildgebung.
Bei Kindern, bei beidseitiger Lähmung, nach einem Zeckenstich oder nach einer wandernden Röte gehört dieser Wert dazu — dann ist die Behandlung eine andere.
Ein Diabetes kommt bei dieser Lähmung häufiger vor, verzögert die Erholung und ist zugleich der Grund, warum eine Cortisonbehandlung engmaschiger begleitet wird.
Nicht für die Diagnose, sondern für die Ausnahmen: eine Entzündung im Ohr, eine Borreliose oder eine seltene entzündliche Grunderkrankung im Hintergrund.
Ohne B12 wird die Isolierschicht der Nerven nicht erhalten. Ein Mangel macht Kribbeln, Taubheit und Unsicherheit im Dunkeln — und er ist einer der wenigen Gründe für Nervenbeschwerden, die sich vollständig beheben lassen, wenn er früh gefunden wird.
Die Nerven decken ihren Energiebedarf über Thiamin. Bei Alkohol, nach Magenoperationen, bei lange anhaltendem Erbrechen und unter entwässernden Mitteln wird es knapp.
Hier zählt beides: Ein Mangel schadet den Nerven, und eine zu hohe Zufuhr über Monate schadet ihnen ebenfalls. Ergänzungsmittel gehören darum in einer Dosis genommen, die begründet ist.
Arbeitet mit B12 zusammen. Wird Folsäure allein gegeben, kann sie das Blutbild bessern, während der B12-Mangel an den Nerven weitergeht — deshalb werden beide zusammen angeschaut.
Die Behandlung der plötzlichen Gesichtslähmung läuft über Cortison, und je früher es beginnt, desto besser — innerhalb von 72 Stunden ist der Rahmen. Über die wenigen Tage ist der Knochen kein Thema; er wird es erst, wenn Cortison wiederholt oder länger gegeben wird.
In einigen kleinen Studien wurde B12 zusätzlich gegeben, mit uneinheitlichem Ergebnis. Was verlässlich zählt, ist etwas anderes: das Auge. Schliesst das Lid nicht, trocknet die Hornhaut aus, und der bleibende Schaden entsteht dort — nicht am Nerv.
In der Schwangerschaft zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten klar belegt, sonst vor allem bei Mangel. Kann einen B12-Mangel verdecken — beides beachten.
Bei der idiopathischen Form ist Cortison die Behandlung mit den besten Zahlen — begonnen innert 72 Stunden. Danach sinkt der Nutzen deutlich; hier entscheidet die Uhr mehr als die Dosis.
Bei Diabetes tritt sie mehrfach häufiger auf und heilt schlechter aus. Zugleich hebt das Cortison den Zucker — bei Diabetes gehört er in diesen Tagen häufiger gemessen, nicht seltener.
In der Schwangerschaft, besonders im letzten Drittel und kurz nach der Geburt, tritt sie etwa dreimal häufiger auf. Der Grund ist vermutlich die Wassereinlagerung im engen Kanal des Nervs.
Speisen sammeln sich in der gelähmten Wange und laufen aus dem Mundwinkel. Weichere Kost, kleinere Bissen und Trinken mit Strohhalm helfen über die Wochen, bis sich die Kraft zurückbildet.
Gezielte Übungen mit Spiegel unterstützen die Rueckbildung. Kräftiges Trainieren in der Frühphase kann Mitbewegungen begünstigen — darum sanft und angeleitet, nicht selbst forciert.
Wärme lindert das Spannungsgefühl. Das Auge braucht in dieser Zeit mehr Aufmerksamkeit als das Gesicht — wenn der Lidschluss fehlt, trocknet die Hornhaut aus.
AWMF 030-013 · S2k · 2022-05 — gültig
Therapie der idiopathischen Fazialisparese (Bell’s palsy)
geprüft 2026-09