Beschwerden & Zusammenhänge · borters.ch
Ablatio corporis vitrei posterior
Der häufigste Grund für Blitze — und der Moment, in dem ein Netzhautriss entstehen kann. Die Abhebung selbst ist harmlos, die Untersuchung des Augenhintergrunds ist es nicht.
Auch bekannt als: Hintere Glaskörperabhebung · Blitze und fliegende Mücken · Mouches volantes
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Der Glaskörper füllt das Auge hinter der Linse. Er ist ein durchsichtiges Gel, und er verflüssigt sich mit den Jahren. Irgendwann fällt er in sich zusammen und löst sich von der Netzhaut, an der er anlag — meist zwischen fünfzig und siebzig, bei Kurzsichtigen und nach einer Linsenoperation früher. Das ist keine Krankheit, sondern ein Vorgang, den fast jeder Mensch erlebt, der alt genug wird.
Zwei Dinge werden dabei bemerkt. Erstens fliegende Mücken: Fäden, Flocken, ein Ring oder ein Spinnennetz, die mit dem Blick mitwandern und mit Verzögerung stehenbleiben. Zweitens Blitze — kurze helle Bögen, meist am äusseren Rand des Gesichtsfelds, am deutlichsten im Dunkeln und beim Bewegen der Augen. Diese Blitze entstehen nicht durch Licht: Der Glaskörper zieht beim Ablösen an der Netzhaut, und die Netzhaut kann Zug nicht von Licht unterscheiden. Sie meldet, was sie immer meldet.
Der Vorgang selbst braucht keine Behandlung. Die Blitze werden über Wochen bis Monate seltener, die Mücken bleiben, fallen aber mit der Zeit weniger auf. Die Bedeutung liegt woanders: Wo der Glaskörper besonders fest anhaftet, kann er beim Ablösen ein Loch in die Netzhaut reissen. Bei etwa einem von zehn Menschen mit frischen Blitzen und Mücken findet sich ein solcher Riss — und ein Riss, den man kennt, wird in einer Sitzung mit dem Laser umstellt. Ein Riss, den niemand gesehen hat, kann zur Netzhautablösung führen.
Deshalb gehört jede frisch aufgetretene Blitz- oder Mückensymptomatik einmal untersucht, mit weitgestellter Pupille und Blick bis an den äussersten Rand der Netzhaut. Und weil Risse auch noch Wochen später entstehen, wird diese Untersuchung nach vier bis sechs Wochen meist wiederholt.
Nur mit erweiterter Pupille ist der äusserste Rand der Netzhaut zu sehen — und genau dort sitzen die Risse. Übliche Frist bei blossen Blitzen und Mücken: innerhalb weniger Tage. Bei einem Schwarm von Punkten, einem Schatten oder Sehverschlechterung am selben Tag.
Ein Teil der Risse entsteht nicht im ersten Moment, sondern in den Wochen danach. Ein sauberer erster Befund heisst deshalb „jetzt nichts“, nicht „nie etwas“. Die Nachkontrolle ist der Grund, warum die meisten Ablösungen vermeidbar sind.
Datum, welches Auge, wie viele Blitze, ob die Mücken zunehmen. Das kostet zwei Zeilen und beantwortet die erste Frage, die jede Ärztin stellt — genauer, als die Erinnerung es nach einer Woche kann.
Die Aura sitzt in beiden Augen — sie verschwindet nicht, wenn man ein Auge zuhält —, zeigt Zackenlinien oder ein Flimmern, wandert langsam über das Gesichtsfeld und ist nach zwanzig bis dreissig Minuten vorbei. Blitze bei der Glaskörperabhebung sind einäugig, dauern einen Augenblick und kommen im Dunkeln.
Ein kurzsichtiges Auge ist länger gebaut, die Netzhaut dadurch dünner und am Rand anfälliger. Die Abhebung kommt früher, und Risse sind häufiger. Wer stark kurzsichtig ist, sollte bei Blitzen nicht abwarten, sondern anrufen.
Sie sinken mit der Zeit aus der Blickachse und fallen weniger auf, weil das Gehirn sie herausrechnet. Das dauert Monate. Eingriffe am Glaskörper gibt es, sie werden aber selten und nur bei starker Beeinträchtigung erwogen, weil sie eigene Risiken tragen.
Fäden, Punkte, ein Ring oder ein Spinnennetz. Sie bewegen sich mit dem Blick und bleiben mit einer kleinen Verzögerung stehen. Am besten sichtbar vor einer hellen, gleichmässigen Fläche — weisse Wand, Himmel, Bildschirm.
Kurze helle Bögen oder Striche, meist aussen im Gesichtsfeld, oft beim Bewegen der Augen und fast nur im Dunkeln oder in der Dämmerung. Sie dauern Bruchteile einer Sekunde und wiederholen sich über Tage.
Der Vorgang läuft in jedem Auge für sich, meist im Abstand von Monaten bis Jahren. Wer abwechselnd ein Auge zuhält, merkt, welches es ist. Beidseitig gleichzeitig spricht eher für etwas anderes.
Manche sehen einen deutlichen Kreis oder ein „O“, das über Nacht aufgetaucht ist. Das ist die Stelle, an der der Glaskörper am Sehnervenkopf angeheftet war — ein Zeichen, dass die Abhebung stattgefunden hat.
Ein Schwarm winziger Punkte, wie Russ oder Pfeffer, ist nicht mehr die gewöhnliche Abhebung. Er entsteht durch Blut im Glaskörper, und Blut heisst meist, dass ein Gefäss mitgerissen wurde — dann steckt in etwa der Hälfte der Fälle ein Riss dahinter.
Ein dunkler Vorhang, eine Wand oder ein fehlendes Feld am Rand, das über Stunden grösser wird, gehört nicht zur Abhebung. Das ist das Zeichen der Netzhautablösung und zählt in Stunden, nicht in Tagen.