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Polyradiculoneuritis acuta
Kribbeln in den Füssen, dann beidseitige Schwäche, die aufsteigt, und Reflexe, die früh verschwinden — das gehört sofort in eine Klinik, weil die Atmung mitbetroffen sein kann.
Auch bekannt als: GBS · akute Polyradikuloneuritis · aufsteigende Lähmung · Kribbeln und Schwäche in den Beinen · Miller-Fisher-Syndrom · Landry-Lähmung
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Das körpereigene Abwehrsystem greift die Hüllen der Nerven ausserhalb von Gehirn und Rückenmark an. In etwa zwei Dritteln der Fälle ging ein bis drei Wochen vorher ein Infekt voraus — am häufigsten ein Durchfall durch Campylobacter, daneben Grippe, Epstein-Barr, Zytomegalie und andere; in seltenen Fällen ist der Auslöser nicht zu ermitteln. Für die Behandlung spielt das kaum eine Rolle, für das Verständnis schon: Die Abwehr hat etwas bekämpft und trifft danach eine Struktur, die dem Erreger ähnlich sieht. Der Verlauf ist typisch und deshalb erkennbar. Es beginnt fast immer mit Kribbeln und Taubheit in den Füssen, oft zugleich in den Händen, dazu Rückenschmerzen, die man leicht für etwas anderes hält. Dann kommt Schwäche, symmetrisch auf beiden Seiten und von unten aufsteigend, und die Reflexe verschwinden früh. Der Höhepunkt ist meist innerhalb von zwei Wochen erreicht, spätestens nach vier. Rund ein Viertel braucht vorübergehend Unterstützung beim Atmen — genau deshalb gehört jeder Verdacht sofort in eine Klinik und nicht in eine abwartende Beobachtung. Behandelt wird mit Immunglobulinen oder Plasmaaustausch, und die allermeisten erholen sich weitgehend. Es dauert aber Monate, nicht Tage. Neben der Atmung zählen auch Herzrhythmusstörungen und starke Blutdruckschwankungen zu den Zeichen, die eine Überwachung nötig machen; ein einfacher Anhaltspunkt ist, ob jemand in einem Atemzug von eins bis zwanzig zählen kann.
Nicht abwarten und nicht am nächsten Tag. Die Schwäche kann innert Stunden zunehmen, und die Behandlung wirkt umso besser, je früher sie beginnt.
In der Klinik wird regelmässig die Atemkraft gemessen. Das ist der Grund für die Aufnahme, auch wenn jemand noch gut aussieht — die Verschlechterung kommt leise.
Im Nervenwasser steigt das Eiweiss, während die Zellzahl normal bleibt — oft aber erst nach einigen Tagen. Ein früh unauffälliger Befund schliesst nichts aus.
Beides ist wirksam und etwa gleichwertig; welches genommen wird, hängt von der Verfügbarkeit und der Verfassung ab. Beides wirkt am besten in den ersten zwei Wochen.
Das überrascht viele, weil es bei so vielen Entzündungen wirkt. Bei dieser Erkrankung hat es sich in Studien nicht bewährt und gehört nicht zur Behandlung.
Wer liegt, bekommt Thrombosen. Physiotherapie beginnt deshalb früh, und die Vorbeugung läuft von Anfang an mit.
Die meisten werden wieder weitgehend gesund, aber der Weg dauert Monate bis über ein Jahr, und eine bleibende Müdigkeit ist häufig. Das früh zu wissen erspart viel Enttäuschung.
Der häufigste bekannte Auslöser — ein Durchfall ein bis drei Wochen vorher, an den man sich oft erst auf Nachfrage erinnert.
Immunglobuline und Plasmaaustausch wirken gleich gut und beide nur, wenn sie innert der ersten zwei Wochen begonnen werden — danach ist der Angriff auf die Nervenhüllen gelaufen. Cortison wirkt hier nicht; das ist die Ausnahme unter den entzündlichen Nervenerkrankungen. Was die Mittel tun, ist den Schaden begrenzen; die Erholung leistet der Nerv selbst, über Monate bis zu zwei Jahre. Etwa acht von zehn gehen wieder selbstständig.
Etwa ein bis zwei Menschen von hunderttausend erkranken jährlich. Bei etwa zwei Dritteln geht ein Infekt ein bis vier Wochen voraus, am häufigsten ein Durchfall durch Campylobacter. Die Schwäche beginnt in den Beinen und steigt auf; das Maximum ist nach zwei bis vier Wochen erreicht — danach geht es nicht mehr abwärts. Etwa jeder Vierte braucht vorübergehend eine Beatmung. Die Erholung läuft über Monate bis zwei Jahre; bei etwa zwei von zehn bleibt eine Einschränkung.
Kribbeln, Ameisenlaufen, pelziges Gefühl — oft gleichzeitig in den Händen. Dieses Vorzeichen geht der Schwäche meist um Stunden bis Tage voraus.
Das unterscheidet es am deutlichsten von einem Schlaganfall, der eine Seite trifft. Hier sind beide Beine betroffen, und die Schwäche wandert nach oben.
Der Reflexhammer ist hier aussagekräftiger als jedes Labor: Fehlende Muskeleigenreflexe bei aufsteigender Schwäche sind das Kennzeichen.
Meist ein Durchfall oder ein Atemwegsinfekt. Wer danach gefragt wird, erinnert sich oft erst auf Nachfrage — es lohnt, den Monat davor durchzugehen.
Tiefe, ziehende Schmerzen im Rücken und in den Beinen sind häufig und werden regelmässig für ein Bandscheibenproblem gehalten — bis die Schwäche dazukommt.
Verschluckt sich jemand, klingt die Stimme anders, wird das Sprechen kurzatmig oder das Atemholen im Liegen schwer — dann zählt jede Stunde.
Seltener, aber wichtig zu kennen: Sie fängt mit Doppelbildern, hängenden Lidern und Gangunsicherheit an — nicht mit den Füssen.
Meist unauffällig. Diese Diagnose wird nicht im Blut gestellt, sondern am Verlauf, an den Reflexen, an der Nervenleitgeschwindigkeit und am Nervenwasser.
Kann vom vorausgegangenen Infekt noch erhöht sein und sagt über die Nervenerkrankung selbst nichts aus.
Wird zu Beginn mitbestimmt, weil ein sehr tiefes Kalium eine der wenigen Ursachen ist, die ähnlich aussehen und ganz anders behandelt werden.
Ohne B12 wird die Isolierschicht der Nerven nicht erhalten. Ein Mangel macht Kribbeln, Taubheit und Unsicherheit im Dunkeln — und er ist einer der wenigen Gründe für Nervenbeschwerden, die sich vollständig beheben lassen, wenn er früh gefunden wird.
Die Nerven decken ihren Energiebedarf über Thiamin. Bei Alkohol, nach Magenoperationen, bei lange anhaltendem Erbrechen und unter entwässernden Mitteln wird es knapp.
Hier zählt beides: Ein Mangel schadet den Nerven, und eine zu hohe Zufuhr über Monate schadet ihnen ebenfalls. Ergänzungsmittel gehören darum in einer Dosis genommen, die begründet ist.
Arbeitet mit B12 zusammen. Wird Folsäure allein gegeben, kann sie das Blutbild bessern, während der B12-Mangel an den Nerven weitergeht — deshalb werden beide zusammen angeschaut.
In der Erholungsphase liegt man wochenlang, und Knochen wie Muskel bauen in dieser Zeit schnell ab. Vitamin D und Eiweiss sind die Grundlage, auf der die Rehabilitation aufsetzt — sie beschleunigen die Nervenheilung nicht, aber sie halten das, was daran hängt.
Nicht als Behandlung, sondern zur Unterscheidung: Ein schwerer B12-Mangel kann ein ganz ähnliches Bild aus Taubheit und Gangunsicherheit machen und ist behebbar. Er gehört bei jeder aufsteigenden Gefühlsstörung mitgemessen.
Häufig gegeben in der Erholung, und in normaler Dosierung unbedenklich. Was zu vermeiden ist: hoch dosiertes B6 über Monate — ab etwa 50 mg täglich schädigt es die Nerven, die hier gerade heilen sollen.
In der Schwangerschaft zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten klar belegt, sonst vor allem bei Mangel. Kann einen B12-Mangel verdecken — beides beachten.
Ein zu niedriges Natrium tritt hier häufig auf, weil der Körper zu viel ADH ausschüttet. Verwirrtheit im Verlauf kommt manchmal daher und nicht von der Nervenerkrankung selbst — das ist behandelbar.
Die Erkrankung trifft auch die Nerven, die Puls und Blutdruck steuern. Starke Schwankungen — Blutdruckspitzen im Wechsel mit Abstürzen — sind der Grund, warum überwacht wird und nicht nur beobachtet.
Die Nerven erholen sich über Monate, die Muskeln müssen neu aufgebaut werden. 1.2–1.5 g Eiweiss je kg am Tag begleitet die Physiotherapie; zu wenig verlangsamt sie messbar.
Die Erholung läuft über Monate bis zwei Jahre. Das Training folgt der Belastbarkeit — zu früh zu viel führt zu einem Rückschritt, der Wochen kostet.
AWMF 030-130 · S2e · 2026-03 — gültig
Therapie immunvermittelter Neuropathien
Dazu noch:
geprüft 2026-09