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Occlusio arteriae vel venae retinae centralis
Der Arterienverschluss ist ein Schlaganfall, der nur zufällig das Auge getroffen hat — behandelt wird deshalb wie ein Schlaganfall, in Minuten und Stunden.
Auch bekannt als: Zentralarterienverschluss · Zentralvenenverschluss · Astverschluss · Schlaganfall des Auges
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Die Netzhaut hat eine einzige Zuleitung und eine einzige Ableitung. Fällt eine davon aus, ist das Bild sofort betroffen, und welche es war, hört man am Verlauf.
Beim Arterienverschluss geht das Sehen auf einem Auge von einer Sekunde auf die andere weg — ganz oder als grosser Teil des Gesichtsfelds, schmerzlos, ohne Vorwarnung. Manchmal gehen kurze Aussetzer voraus. Dieses Ereignis ist derselbe Vorgang wie ein Schlaganfall im Gehirn, nur an einem anderen Ast desselben Gefässbaums: Ein Gerinnsel oder ein Kalkkrümel aus der Halsschlagader oder dem Herzen ist stecken geblieben. Deshalb gehört es auf dieselbe Schiene — sofort in die Klinik, nicht in die Sprechstunde am Nachmittag. Für das Auge selbst ist das Zeitfenster sehr kurz und die Aussicht ehrlicherweise begrenzt; für alles andere ist es entscheidend, denn das nächste Teilchen kann das Gehirn treffen. Über fünfzig gehört zusätzlich eine Entzündung der Schläfenarterien am selben Tag ausgeschlossen.
Beim Venenverschluss staut sich das Blut, statt dass es fehlt. Das Sehen wird über Stunden bis Tage schlechter, verschwommen, wie durch einen Schleier, oft morgens beim Aufwachen bemerkt. Es tut nicht weh. Dahinter stehen meist ein hoher Blutdruck, ein erhöhter Augeninnendruck oder eine Verdickung des Blutes. Hier geht es nicht um Minuten, aber um Wochen: Das Sehen hängt daran, ob sich die Mitte der Netzhaut mit Flüssigkeit vollsaugt, und genau das lässt sich behandeln.
Beide Formen gibt es auch als Astverschluss — dann fehlt nicht alles, sondern ein Ausschnitt, oft eine obere oder untere Hälfte des Gesichtsfelds. Das wird leichter übersehen und bedeutet dasselbe.
Drei Zahlen aus der Leitlinie, die das Tempo erklären. **Nach etwa viereinhalb Stunden** ist die Schädigung der inneren Netzhautschichten weitgehend nicht mehr umkehrbar — das ist der Grund, warum hier dieselbe Eile gilt wie beim Schlaganfall im Gehirn, und warum die Versorgung an einen Ort mit Überwachung gehört, eine Stroke Unit oder eine vergleichbare Abteilung, nicht in eine Sprechstunde. **In bis zu 15 von 100 Fällen** ging ein kurzer, vorübergehender Sehverlust voraus, der von selbst wieder wegging — wer das hatte, hat die Warnung schon bekommen und sollte sie nicht verstreichen lassen. Und **wenn eine Entzündung der Schläfenarterien dahintersteckt, erkrankt ohne Behandlung das zweite Auge in etwa 60 von 100 Fällen, mit Behandlung in etwa 15** — das ist der ganze Grund, warum Entzündungswerte im Blut noch am selben Tag bestimmt werden. Dabei gehört mitgesagt: **bei etwa 4 von 100 Erkrankten sind diese Werte normal**, obwohl die Entzündung läuft. Ein unauffälliges Blutbild schliesst sie nicht aus.
Nicht die Augenarztpraxis anrufen und auf einen Termin warten, sondern in die Notfallaufnahme oder die Augenklinik, sofort. Der Grund ist weniger das Auge als das, was als Nächstes kommen kann: Bei einem Teil der Betroffenen folgt in den Tagen danach ein Ereignis im Gehirn.
Wann genau war das Sehen weg — beim Aufwachen, beim Lesen, um wie viel Uhr? Diese eine Angabe steuert alles Weitere, weil sie sagt, wie viel Zeit vergangen ist. Sie lässt sich nicht rekonstruieren, sie muss festgehalten werden.
Halsschlagadern im Ultraschall, Herzrhythmus über längere Zeit, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette. Über fünfzig zusätzlich BSG und CRP. Das ist keine Zusatzleistung, sondern der eigentliche Zweck der ganzen Sache.
Das Sehen hängt daran, ob sich die Mitte der Netzhaut mit Flüssigkeit füllt. Genau dagegen gibt es wirksame Behandlungen, und sie werden über Monate wiederholt. Die vereinbarten Kontrollen sind hier kein Formalismus — sie sind die Behandlung.
Ein erhöhter Druck ist ein Risikofaktor für den Venenverschluss und kann als Spätfolge selbst entstehen, wenn die Netzhaut auf den Sauerstoffmangel mit neuen, untauglichen Gefässen antwortet. Deshalb wird er anfangs und dann regelmässig kontrolliert.
Beim Arterienverschluss gibt es kein Verlaufen und kein Verschwimmen. Das Sehen auf einem Auge ist da und dann nicht mehr da, schmerzlos. Der Zeitpunkt lässt sich meist auf die Minute nennen — und genau diese Angabe wird gebraucht.
Ein langsam zunehmender Schleier, verschwommene Schrift, ein Sehen wie durch Milchglas, oft am Morgen bemerkt: Das spricht für den Stau in der Vene. Auch das gehört rasch untersucht, aber es zählt nicht in Minuten.
Beim Astverschluss fällt ein Ausschnitt aus — häufig die obere oder die untere Hälfte, mit einer erstaunlich geraden Kante. Wer beide Augen offen hat, merkt es oft erst spät, weil das andere Auge die Lücke füllt.
Manchen geht das Ereignis mit vorübergehenden Verdunkelungen auf demselben Auge voraus, Sekunden bis Minuten lang. Das ist derselbe Vorgang im Kleinen — und die Gelegenheit, vorher zu handeln.
Wie bei der Netzhautablösung fehlt jedes äussere Zeichen. Ein Auge, das schmerzt oder rot ist, weist auf etwas anderes hin — und ein Auge, das weder schmerzt noch rot ist, schliesst nichts aus.
Über fünfzig sofort mitbestimmt: Eine Entzündung der Schläfenarterien kann denselben Arterienverschluss auslösen und nimmt unbehandelt auch das zweite Auge.
Zusammen mit der BSG. Beide gehören hier zur ersten Runde und nicht in eine spätere Abklärung.
Der Wert, an dem die Ablagerung in der Halsschlagader hängt — die häufigste Quelle des Teilchens, das den Verschluss gemacht hat.
Der Blutzucker über zwei bis drei Monate; er gehört zur Gefässabklärung und wird hier oft zum ersten Mal auffällig.
AWMF 045-013 · S2e · 2022-10 — gültig
Retinale arterielle Verschlüsse (RAV)
geprüft 2026-09