Beschwerden & Zusammenhänge · borters.ch
Den Stein auffangen und untersuchen lassen — erst die Steinart sagt, welche Vorbeugung wirkt. Und Kalzium im Essen gehört nicht gestrichen, sondern Salz.
Auch bekannt als: Nephrolithiasis · Harnsteine
Im Werkzeug öffnen — mit Suche und allen Verbindungen →Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.
Ein Nierenstein entsteht, wenn der Urin über längere Zeit zu wenig Wasser und zu viel steinbildendes Material enthält. Rund vier von fünf Steinen bestehen aus Kalziumoxalat, der Rest vor allem aus Harnsäure, aus Infektsteinen oder aus selteneren Formen. Solange der Stein in der Niere liegt, tut er meist nichts; wandert er in den Harnleiter, entsteht die Kolik — ein wellenförmiger Schmerz in der Flanke, der in Leiste oder Hoden zieht, mit Übelkeit, Unruhe und oft etwas Blut im Urin. Kennzeichnend ist, dass keine Lage Erleichterung bringt. Die meisten kleinen Steine gehen von selbst ab. Entscheidend für alles, was danach kommt, ist ein einfacher Handgriff, der fast immer vergessen wird: den Stein auffangen und untersuchen lassen. Erst die Steinart sagt, welche Vorbeugung überhaupt wirkt — sonst rät man ins Blaue. Die Vorbeugung selbst ist wirksamer, als viele denken, denn ohne sie kommt etwa die Hälfte innert zehn Jahren wieder. Zwei Punkte werden dabei regelmässig falsch gemacht: Salz wird unterschätzt, weil es Kalzium in den Urin treibt — und Kalzium im Essen wird gestrichen, obwohl gerade das die Steinbildung fördert.
Sitzt ein Stein im Weg und staut sich der Urin, kann eine Entzündung dahinter nicht abfliessen. Fieber zusammen mit Flankenschmerz bei bekanntem Stein wird deshalb nicht zu Hause behandelt, sondern gleich abgeklärt — der Abfluss muss frei werden.
Durch ein Sieb oder einen Kaffeefilter urinieren, bis der Stein da ist. Die Analyse kostet wenig und entscheidet über die gesamte Vorbeugung — ohne sie bleibt jeder Rat allgemein.
Nicht die Trinkmenge zählt, sondern die Urinmenge — je nach Schwitzen sind das zweieinhalb bis drei Liter am Tag, gleichmässig verteilt und ausdrücklich auch am Abend. Heller Urin ist die einfachste Kontrolle.
Salz treibt Kalzium in den Urin und ist damit der stärkste Hebel im Essen. Kalzium dagegen gehört normal weiter auf den Teller: Es bindet Oxalat schon im Darm. Wer Kalzium streicht, lässt mehr Oxalat in den Urin gelangen und bekommt eher neue Steine.
Spinat, Rhabarber, Randen, Nüsse, Schokolade und schwarzer Tee liefern viel Oxalat. Sie müssen nicht verschwinden — zusammen mit einer Milch- oder Käsekomponente in derselben Mahlzeit landet das meiste Oxalat im Stuhl statt im Urin.
Zitrat hemmt die Kristallbildung und ist bei Kalziumsteinen einer der wenigen einfachen Hebel. Frisch gepresster Zitronen- oder Limettensaft im Trinkwasser über den Tag verteilt genügt dafür.
Eine überaktive Nebenschilddrüse ist eine seltene, aber behebbare Ursache. Sie wird nur gefunden, wenn jemand daran denkt — zwei Blutwerte genügen.
Etwa fünf bis zehn von hundert Menschen bekommen im Leben einen Nierenstein, Männer häufiger. Steine unter fünf Millimetern gehen bei den meisten von selbst ab, im Schnitt innert ein bis drei Wochen. Nach dem ersten Stein folgt bei etwa der Hälfte innert zehn Jahren ein zweiter.
Alphablocker weiten den Harnleiter und helfen vor allem bei Steinen zwischen fünf und zehn Millimetern, die von selbst abgehen können — kleinere gehen ohnehin, grössere meist nicht. Schmerzmittel wirken hier über die Prostaglandine, deshalb sind Entzündungshemmer oft stärker als Opioide. Kein Mittel löst den Stein auf, ausser bei Harnsäuresteinen: Die lassen sich über Wochen durch Alkalisieren des Urins tatsächlich auflösen. Zwei bis drei Liter täglich sind die einzige Massnahme, die für alle Steinarten gilt.
So viel trinken, dass am Tag mindestens zwei bis zweieinhalb Liter Urin zusammenkommen — das sind meist gut zweieinhalb bis drei Liter Getränke, über den Tag verteilt und auch am Abend.
Das unterscheidet die Kolik von fast allem anderen. Wer sich bei Bauchschmerzen krümmt und ruhig liegt, hat eher etwas anderes; wer umhergeht und keine Ruhe findet, eher einen Stein.
Er beginnt in der Flanke und zieht mit dem Stein in Richtung Leiste, Hoden oder Schamlippe. Der Ort des Schmerzes verrät, wie weit der Stein gekommen ist.
Sehr häufig und meist nur mit dem Teststreifen sichtbar. Sichtbares Blut ohne Schmerz ist dagegen etwas anderes und gehört eigenständig abgeklärt.
Das ist die eine Kombination, die nicht abgewartet wird. Ein gestauter und zugleich infizierter Harnleiter ist ein urologischer Notfall, weil der Abfluss rasch entlastet werden muss.
Ab dem zweiten Stein lohnt sich die genauere Abklärung mit Blut- und Urinuntersuchung. Ohne Vorbeugung kommt etwa die Hälfte innert zehn Jahren wieder.
Der Schmerz eines wandernden Steins zieht von der Flanke nach unten und kann im Hoden oder in der Schamlippe ankommen — dort sitzt er nicht, dorthin strahlt er.
Ein wiederholt erhöhtes Kalzium ist der Hinweis auf eine überaktive Nebenschilddrüse — eine Ursache, die man beheben kann und die sonst immer neue Steine macht.
Gehört zum Kalzium dazu. Beide zusammen beantworten die Frage, ob hinter wiederkehrenden Steinen eine Hormonstörung steckt.
Harnsäuresteine entstehen vor allem in saurem Urin. Sie sind die einzige Steinart, die sich mit Medikamenten auflösen lässt — dafür muss man sie aber kennen.
Steine, die den Abfluss immer wieder behindern, kosten Nierenleistung. Bei häufigen Steinen gehört dieser Wert regelmässig mitgeführt.
Zwei bis drei Liter täglich sind die einzige Massnahme, die alle Steinarten gleichzeitig verhindert.
Durchspülende Tees werden traditionell genutzt; sie ersetzen die Trinkmenge nicht.
Schachtelhalm ist das bekannteste Durchspülungskraut; bei Herz- oder Nierenschwäche nicht geeignet.
In der TCM derselbe Funktionskreis wie Blase und Reserve. Was in beiden Systemen zählt, ist die Trinkmenge — 2 bis 2.5 Liter am Tag, bis der Urin hell ist.