Beschwerden & Zusammenhänge · borters.ch

Speichelstein (verstopfte Speicheldrüse)

Sialolithiasis

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Ein kleiner Stein verlegt den Ausführungsgang einer Speicheldrüse. Das Leitzeichen ist der Zusammenhang mit dem Essen: Die Drüse schwillt beim Essen an und spannt, danach geht es wieder zurück. Vier von fünf Steinen sitzen in der Unterkieferdrüse.

Auch bekannt als: Sialolith · Sialolithiasis · Speicheldrüsenstein · verstopfter Speichelgang · Speichelkolik · Wharton-Gang · Stenon-Gang · Ohrspeicheldrüse · Unterkieferdrüse

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Diese Zusammenstellung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden bitte ärztlich abklären.

Speichel entsteht in drei grossen Drüsenpaaren: der Ohrspeicheldrüse vor dem Ohr, der Unterkieferdrüse unter dem Kieferwinkel und der Unterzungendrüse im Mundboden. Jede hat einen feinen Gang, durch den der Speichel in den Mund läuft. Lagert sich in diesem Gang Kalk um einen kleinen Kern, entsteht ein Stein — vom Sandkorn bis über einen Zentimeter. Vier von fünf sitzen in der Unterkieferdrüse: ihr Speichel ist zäher und kalkreicher, und ihr Gang steigt an, der Speichel muss also bergauf. Das Leitzeichen ist der Zusammenhang mit dem Essen. Sobald die Drüse auf Reiz Speichel bildet und dieser nicht abfliessen kann, staut er sich: die Drüse schwillt innert Minuten an, spannt und schmerzt, nach dem Essen lässt es langsam nach. Manche spüren nur ein Ziehen unter dem Kiefer, andere sehen eine deutliche Beule. Bleibt der Stau, siedeln sich Bakterien an — dann kommen Rötung, Überwärmung, Eiter am Gangausgang und Fieber dazu; das ist eine Speicheldrüsenentzündung und gehört behandelt. Anders als bei Nierensteinen sagt der Kalziumspiegel im Blut nichts darüber aus, und kein Laborwert zeigt den Stein. Gefunden wird er durch Tasten im Mundboden und vor allem im Ultraschall. Viele kleine Steine gehen von selbst ab.

Hebel & Wege

assoziiertTrinken, und zwar regelmässig

Dünnerer Speichel fliesst besser und spült eher etwas mit. Über den Tag verteilt, nicht in zwei grossen Portionen. Das ist der einfachste Hebel und die Grundlage für alles Weitere.

assoziiertSaures treibt den Speichel

Zitrone, saure zuckerfreie Bonbons, zuckerfreier Kaugummi: Sie bringen die Drüse zum Arbeiten, und der Druck kann einen kleinen Stein vorwärts schieben. Es kann kurz stärker ziehen. Bei einer bereits entzündeten, roten Drüse damit warten.

assoziiertAusstreichen — von hinten nach vorn

Mit zwei Fingern sanft über der Drüse in Richtung Mund streichen, mehrmals täglich, am besten mit einem warmen Tuch davor. Immer in Flussrichtung, nie zurück, und ohne Gewalt.

studienbasiertGeduld — vieles geht von selbst

Kleine Steine nahe am Ausgang wandern häufig mit dem Speichel heraus; manchmal spürt man ein Knirschen und alles ist vorbei. Das braucht Tage bis Wochen. Was in dieser Zeit nicht besser oder rasch schlechter wird, gehört abgeklärt.

studienbasiertWas den Stein nicht auflöst

Mundwasser, Hausmittel und kalziumarme Kost lösen einen Speichelstein nicht auf. Antibiotika behandeln die Entzündung, wenn eine da ist — den Stein lassen sie liegen, und nach dem Absetzen staut es wieder.

studienbasiertUltraschall zeigt es

Erst das Tasten im Mundboden, dann der Ultraschall — schmerzfrei, ohne Strahlen und meist ausreichend. Ein Teil der Steine ist im Röntgen nicht zu sehen, deshalb schliesst ein unauffälliges Röntgenbild nichts aus.

studienbasiertSpiegelung des Gangs

Durch den Gangausgang wird ein sehr feines Endoskop eingeführt; der Stein lässt sich damit sehen, mit einem Körbchen fassen oder zertrümmern. Die Drüse bleibt erhalten. Das ist heute der übliche Weg, wenn der Stein nicht von selbst kommt.

studienbasiertStosswellen, Gang eröffnen, zuletzt die Drüse

Grössere Steine lassen sich von aussen mit Stosswellen zerkleinern; sitzt einer nahe am Ausgang, wird der Gang von innen geschlitzt. Die Drüse ganz zu entfernen ist die letzte Wahl und heute selten nötig.

traditionellLutschen und kauen

Zuckerfreie Pastillen, Salbeibonbons oder ein Stück Ingwer im Mund behalten, mehrmals täglich nach Bedarf.

traditionellSalzspülung nach Zahnbehandlung

Ab dem Tag nach dem Eingriff mit lauwarmem Salzwasser vorsichtig spülen, nicht gurgeln, mehrmals täglich.

InfoWas das Mittel tut — und was nicht

Kein Mittel löst einen Speichelstein auf. Was wirkt, ist der Speichelfluss selbst: saure Bonbons oder Zitrone regen ihn an, dazu Massage der Drüse von hinten nach vorne und Wärme — damit gehen kleine Steine bei einem Teil innert Tagen ab. Ein Antibiotikum ist nur nötig, wenn sich die Drüse entzündet. Bleibt der Stein, wird er über eine Spiegelung des Gangs geholt oder mit Stosswellen zerkleinert; die Drüse selbst wird heute nur noch selten entfernt.

InfoZahlen und Zeiträume

Etwa acht von zehn Speichelsteinen sitzen in der Unterkieferdrüse, weil ihr Sekret zäher ist und der Gang aufwärts verläuft. Der typische Schmerz kommt beim Essen und lässt danach über Minuten bis eine Stunde nach — dieser Rhythmus ist das Erkennungszeichen. Etwa neunzig von hundert Steinen sind kleiner als zehn Millimeter. Unter fünf Millimetern gehen viele mit Massage und Speichelanregung innert Tagen selbst ab.

Mögliche Beschwerden

studienbasiertSchwellung beim Essen

Das kennzeichnende Zeichen. Schon der Gedanke an Essen, dann der erste Bissen — und innert Minuten spannt es unter dem Kiefer oder vor dem Ohr. Nach dem Essen geht es langsam zurück. Bei jedem Essen aufs Neue, oft wochenlang.

studienbasiertZiehen unter dem Kiefer oder vor dem Ohr

Die Stelle verrät die Drüse: unter dem Kieferwinkel die Unterkieferdrüse, vor und unter dem Ohrläppchen die Ohrspeicheldrüse. Der Schmerz kann bis ins Ohr ziehen. Fast immer nur eine Seite.

studienbasiertEin Stein, den man tasten kann

Sitzt der Stein nahe am Ausgang, lässt er sich mit der Zunge oder mit dem Finger im Mundboden als harte Verhärtung ertasten — neben dem Zungenbändchen. Solche Steine gehen am ehesten von selbst ab.

assoziiertTrockener Mund

Wenig Speichel macht ihn dicker und langsamer — beides begünstigt Ablagerungen. Häufige Gründe: zu wenig trinken, Mundatmung, Rauchen und Medikamente, die den Mund trocken machen (etwa gegen Allergie, Blasenschwäche, Bluthochdruck oder Niedergeschlagenheit).

studienbasiertEntzündete Drüse

Bleibt der Stau, wandern Bakterien aus dem Mund den Gang hinauf. Dann wird die Schwellung rot, warm und dauerhaft, am Gangausgang tritt Eiter aus, oft mit Fieber. Das ist keine Sache zum Abwarten, sondern gehört gleich in die Sprechstunde.

InfoSchwellung, die bleibt und nicht schmerzt

Das passt gerade nicht zum Stein. Eine dauerhafte, schmerzlose Schwellung einer Drüse hat andere Gründe — von einer Gewebevermehrung über eine Autoimmunerkrankung der Drüsen bis, seltener, zu einem Tumor. Sie gehört angeschaut, nicht abgewartet.

InfoBeide Seiten geschwollen

Steine machen fast immer nur eine Seite. Schwellen beide Ohrspeicheldrüsen zugleich an, steckt eher eine Virusentzündung dahinter (Mumps), eine Autoimmunerkrankung der Drüsen mit trockenem Mund und trockenen Augen, oder eine Reaktion auf Alkohol, Zuckerkrankheit oder gestörtes Essverhalten.

Blutwerte

studienbasiertKalzium im Blut

Bei wiederholten Steinen wird das Kalzium im Blut bestimmt.

studienbasiertParathormon (PTH)

Ist das Kalzium erhöht, folgt das Parathormon.

studienbasiertANA (antinukleäre Antikörper)

Bei dauerhaft trockenem Mund und trockenen Augen wird das Sjögren-Syndrom abgeklärt.

Nährstoffe

studienbasiertVitamin C

Zahnfleisch, das schon bei leichter Berührung blutet, gehört zu den ersten Zeichen eines Mangels. Er ist heute selten, kommt aber bei sehr einseitiger Ernährung und bei Alkohol vor.

studienbasiertVitamin B12 und Eisen

Wiederkehrende Aphten, eine glatte brennende Zunge und eingerissene Mundwinkel weisen auf einen Mangel hin — der Mund zeigt das oft, bevor es im Blutbild steht.

assoziiertKalzium und Vitamin D

Der Kieferknochen, der die Zähne hält, unterliegt demselben Auf- und Abbau wie jeder andere Knochen. Für ihn zählt dasselbe wie für die Hüfte.

studienbasiertFlüssigkeit

Speichel ist der natürliche Schutz von Zähnen und Schleimhaut. Ein trockener Mund — durch Medikamente, Mundatmung oder zu wenig Trinken — erhöht Karies, Mundgeruch und Pilzbefall gleichzeitig.

Supplemente

studienbasiertTrinken, saugen, streichen

Der Speichel muss fliessen, damit ein kleiner Stein herauskommt. Zwei bis drei Liter am Tag, saure Bonbons oder Zitrone zum Anregen und ein Ausstreichen der Drüse von hinten nach vorn sind die anerkannte Reihenfolge — und sie ist bei kleinen Steinen erstaunlich oft erfolgreich.

InfoWas den Speichel eindickt

Zu wenig Trinken ist der Hauptgrund, aber nicht der einzige: Entwässernde Mittel, viele Mittel gegen Allergie und gegen Blasenschwäche sowie einige Antidepressiva trocknen den Mund messbar aus. Wer immer wieder Steine bekommt, geht diese Liste einmal durch.

InfoVitamin B12

Bei Mangel — vegan, Ältere, bestimmte Medikamente — klar sinnvoll und gut belegt. Ohne Mangel kein Energieschub.

Hormone

studienbasiertADH (Vasopressin)

Zu wenig Flüssigkeit macht den Speichel dicker, und dicker Speichel bildet leichter Steine. Viel trinken und saure Reize — Zitrone, Kaugummi — sind deshalb Teil der Behandlung, nicht nur ein Hausmittel.

assoziiertParathormon (PTH)

Bei wiederholten Speichelsteinen lohnt der Blick auf Calcium und Parathormon — eine Überfunktion der Nebenschilddrüse treibt Steine in Speicheldrüsen und Nieren gleichermassen.

Nahrung

studienbasiertTrinkmenge und Speichelfluss

Dicker Speichel begünstigt Steine. 1.5–2 Liter am Tag und Saures wie Zitrone oder zuckerfreies Kaugummi regen den Fluss an — das ist auch die übliche Massnahme, um einen kleinen Stein auszuspülen.

Alternative Ansätze — was Menschen nutzen

studienbasiertErnährungsumstellung

Saures regt den Speichelfluss an und spült kleine Steine aus — Zitrone, saure Bonbons, zuckerfreies Kaugummi. Zusammen mit Massage der Drüse und viel Trinken ist das die übliche erste Massnahme.